Sind wir noch zu retten?

Beitragsbild: Buchbesprechun

Buchbesprechung von Beri Fahrbach-Gansky in der fh 4/2020

Hans Sachs: „Sind wir noch zu retten? – Die politische Bedeutung der frühen Kindheit

agenda Verlag, Münster | 170 Seiten, 19,80 Euro | ISBN 978-3896886422

Das Buch von Hans Sachs ist hochaktuell. Zuerst stellt er die wichtige Rolle des Interaktions- und Bindungsverhalten der Mutter bzw. Hauptbezugsperson heraus. Er folgt der Geschichte ihrer „Entdecker“ und Erforscher, bis zur modernen Neurobiologie. Dabei springt er souverän zwischen Personen und Zeiten hin und her, was es aber dem Leser nicht gerade einfach macht zu folgen. Vor allem zeigt er, wie immer wieder von diesen Forscherpersönlichkeiten die Wirkung auf die Entwicklung des kleinen Kindes von unzureichend liebevoller Behandlung und Trennungen von der Mutter als fatal erkannt wurden. Trennungen, z.B. auch durch Krippenbetreuung, werden gar als Trauma erlebt. Es entstehen Hass und unersättliche Rache- und Machtbedürfnisse, die aber in Gehirnregionen abgespeichert werden, die dem Bewusstsein nicht zugänglich sind. Besonders fatal wirken sich folgende der beschriebenen Mechanismen aus, da sie unbewusst und mit viel Destruktivität einhergehen: der „Wiederholungszwang“, indem Ähnliches anderen zufügt wird, und die „Spaltung“, das Einteilen von allem in „gut“ und „böse“ mit daraus folgenden Absolutheitsansprüchen, und „Verleugnung“, die Hans Sachs besonders bei Umweltproblemen sieht. Sein eigentliches Thema ist dann, wie sich diese Prägungen auswirken, wenn eine solche Person Ideologien hervorbringt oder eine Machtposition inne hat, z.B. in der Politik. Anhand verschiedener Personen, die ideologisch bedeutsam waren und sind (Karl Marx und Kommunismus, Judith Butler und Genderideologie, Johanna Haarer und Schwarze Pädagogik im Nationalsozialismus), und verschiedenen Politikern (z.B. Hitler, Trump) zeigt er konkret die Zusammenhänge zwischen deren frühen Kindheitserfahrungen und deren Vorstellungen und Agieren auf. Entsprechend hält er Lösungen für die Menschheitsprobleme ohne Berücksichtigung der Rolle der Mütter, gelebte Mutterschaft und deren Unterstützung für nicht möglich.

All die von Hans Sachs beschriebenen Mechanismen können auch mühelos in der gegenwärtigen Politik ausgemacht werden. Man muss Hans Sachs nicht in allem zustimmen, aber insgesamt ist sein Buch – wenn auch z.T. mühselig zu lesen – doch eine spannende, lohnende Lektüre.

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