3. Stiftungstag der Stiftung Beziehungskultur – ein Bericht

 

Text von Jenniffer Ehry-Gissel aus der fh 1/2020

Im wunderschönen Festsaal der Leopoldina in Halle (Saale) saßen am 23. November 2019 zur Eröffnung des 3. Stiftungstages der Stiftung Beziehungskultur viele gespannte Menschen. Den Auftakt übernahm Gastgeber Hans-Joachim Maaz, Psychiater, Psychoanalytiker und Autor mit einem Plädoyer für die von ihm gegründete Elternschule: Es brauche Schulungen und Beratungen für Mütter und Väter, um sie adäquat auf ihre Aufgabe vorzubereiten und in ihrer Funktion zu unterstützen. Heute könne er mit Stolz erklären, dass die Elternschulen in ganz Deutschland gut angenommen würden, Tendenz steigend. In seinem anschließenden Vortrag ging Maaz auf die derzeitige Krippenpolitik ein, für die vom Staat bis 1.500 Euro pro Monat und Kind investiert werden. Nach seiner Überzeugung wäre es besser, wenn drei Jahre Elterngeld gezahlt würden. Auch für das derzeit politisch aktuelle Thema „Kinderrechte ins Grundgesetz“ fand Maaz kritische Worte.

Der nächste Referent war Michael Hüter, Historiker, Kindheitsforscher und Autor des kritischen Buches „Kindheit 6.7“. Er begann seinen provozierenden Vortrag mit der These: „Kinder heutzutage sind Waisen mit Eltern“, nur eine von vielen Aussagen, die er dem mit offenen Mündern dasitzenden Publikum ‘um die Ohren schlug‘. Hüter sensibilisiert: „Wie geht es eigentlich unseren Kindern bei all dem, was wir tun?“ Es war ganz still im Saal. Als Hüter anmerkte, dass der Schmerz des Kindes nicht geringer wird, wenn wir es mit einem SUV zur Krippe fahren, lachte die Menge.

Den dritten Vortrag dieses Vormittags hielt Sabine Stiehler, Vorstandsmitglied der Stiftung Beziehungskultur und engagiert unter anderem in der psychosozialen Beratungsstelle im Studentenwerk Dresden. Sie beginnt mit der Feststellung; „Der Mainstream der erwerbstätigen Frauen sagt in der Schwangerschaft: Ich bin in einem Jahr wieder da!“. Manche änderten später die Richtung, viele blieben dabei. Stiehler weiter: „Kein ein- oder zweijähriges Kind würde sich eine Kita ausdenken!“ Eltern hätten keine Wahl, wären froh, überhaupt einen Kitaplatz zu bekommen. Viele hätten heute das Gefühl, dem Kind nicht das bieten zu können, was es für seine Entwicklung brauche.

Es folgte das Referat von Dr. Gedeon-Maaz, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie mit dem einleitenden Satz: „Das Problem heutzutage ist, dass die Kinder in das bestehende Leben der Eltern eingefädelt werden!“ Gedeon-Maaz bestärkte alle Mütter, ihren Kindern die ersten drei Lebensjahre zu schenken: „Was sind drei Jahre Zuhause-Bleiben im Vergleich zu 45 Jahren beruflicher Tätigkeit?“

Der Kern des anschließenden Vortrags von Michael Stiehler, Vorstandsmitglied der Stiftung, Theologe, Erziehungswissenschaftler und psychologischer Berater, war die Herausforderung des Elternseins im Hinblick auf die Partnerschaft. Eltern bleibe man ein Leben lang, auch wenn die Kinder groß und flügge seien. Augenzwinkernd riet Stiehler seinem Publikum: „Wenn Sie wissen wollen, wie es um Ihre Partnerschaft steht, werden Sie Eltern“ … kurze Pause …. „aber das ist ja auch keine Lösung!“

Nach einer mittäglichen Stärkung hatten die Zuhörer im Saal die Möglichkeit, den Experten Fragen zu stellen. Dann standen die Themenworkshops auf dem Programm mit diversen Elternworkshops, einem Workshop für an der Anleiter-Ausbildung Interessierte, einem Workshop über zerstörte Familienbilder in Geschichte und Gesellschaft und einem über Geschwistertherapie und Geschwisterübertragungen. Das Schluss-Highlight war die Verlesung von Maaz’ Halle’scher Erklärung. In dieser wird aufgerufen, die Qualität der Frühbetreuung von Kindern als entscheidenden Faktor für deren Chance auf ein gesundes, erfülltes Leben zu erkennen. Als Hilfen dazu sind genannt: der finanzielle Ausgleich für die Familienarbeit sowie Angebote von Elternworkshops.

Der ausführliche Bericht ist hier nachzulesen.

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