Stellungnahme gegenüber dem Deutschen Frauenrat

Beitragsbild: Verbandslogo Eule

Mit folgendem Link verweisen wir auf eine Stellungnahme des Deutschen Frauenrates vom 9. Nov. 2020. Dort wird eine zunehmende Verbreitung von „reaktionären Frauen- und Familienbildern“ behauptet. Obwohl nicht näher beschrieben wird, was damit gemeint ist, entsteht der Eindruck, die Wertschätzung der Elternrolle solle in die Nähe von „Populismus“ oder gar „Rechtsextremismus“ gerückt werden:

https://www.frauenrat.de/positionierung-des-deutschen-frauenrats-fuer-menschenrechte-und-demokratie/

Kein Zweifel: Die Nazis haben Mutter- und Elternrolle im Rahmen ihrer Kriegspropaganda missbraucht. Das darf aber nicht zur Diffamierung von Eltern führen, die ihre Erziehungsaufgabe ernst nehmen. Solche Andeutungen verteidigen nur eine Politik der Aufwertung der Erwerbsarbeit auf Kosten der elterlichen Erziehungsarbeit mit einseitiger Krippenförderung auf Kosten selbst betreuender Eltern. Das höhlt das wichtigste Kinderrecht, nämlich das Recht auf Betreuung durch die eigenen Eltern, immer mehr aus, obwohl gleichzeitig eine Stärkung der Kinderrechte propagiert wird. Daneben werden Frauenrechte gegen Kinderrechte ausgespielt und das dann als „Feminismus“ verkauft.

Als Verband Familienarbeit sehen wir uns veranlasst, zur irreführenden Stellungnahme des Frauenrates unsererseits Stellung zu nehmen. Wir wollen damit eine Diskussion anstoßen, die wir schon längst für überfällig halten. Wir wollen zurück zu einer sachlichen Debatte. Dazu nachfolgender offener Brief:

 

Sehr geehrte Frau Paul,

mit diesem Schreiben beziehen wir uns auf die „Positionierung des Deutschen Frauenrats für Menschenrechte und Demokratie“ vom 09.11.2020, die Sie als Vorstandsmitglied des Deutschen Frauenrats (DF) für diesen abgegeben haben. Diese Erklärung richtet sich gegen “rechtspopulistische und rechtsextremistische Kräfte, die unsere Demokratie unterwandern“. Davon betroffen seien „besonders auch Akteur*innen, die sich für Gleichstellung und Frauenpolitik stark machen“. Wörtlich: „Frauenpolitische Maßnahmen werden diffamiert, Frauen- und Geschlechterforschung wird kategorisch abgelehnt, reaktionäre Frauen- und Familienbilder werden verbreitet und instrumentalisiert.“. In einem ergänzenden Appell kündigt der DF an, sein Engagement für eine „vielfältige, demokratische und solidarische Gesellschaft zu verstärken“, „antifeministischen, antisemitischen, antimuslimischen, neofaschistischen und rassistischen Tendenzen entschieden entgegen(zu)treten“ sowie „für eine progressive Gleichstellungspolitik und einen zeitgemäßen Familienbegriff (zu) werben“.

Der Vorstand des Verband Familienarbeit e.V., wendet sich nun mit diesem offenen Brief an den Deutschen Frauenrat um zu erfahren, wo er nach dessen Beurteilung sein familienpolitisches Engagement für „die Förderung der eigenständigen finanziellen und sozialen Sicherung bei Familienarbeit“ in diesem so umrissenen frauen- und gesellschaftspolitischen Tableau zu verorten hat.

In den 80ern des letzten Jahrhunderts, seinen Gründungsjahren, hat der Verband Familienarbeit e.V. (damals noch unter dem Namen Deutsche Hausfrauengewerkschaft – DHG) zweimal einen Aufnahmeantrag an den DF gerichtet, der jeweils ohne Begründung abgelehnt wurde. Diese Ablehnung war aus unserer heutigen Sicht nicht weiter bedauerlich, sondern eher logisch, weil sich der DF zunehmend als Lobby einer Frauen- und Familienpolitik aufspielt, die alles andere als „vielfältig, demokratisch und solidarisch“, geschweige denn zukunftsfähig ist. Frauen, die zugunsten einer verantwortungsbewussten Erziehung eigener Kinder für kürzere oder längere Zeit auf Erwerbsarbeit verzichten und damit die Grundlage schaffen für die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft schlechthin, sollen sich als „rückwärtsgewandt“ begreifen. Das naturgegebene Familienbild von Mutter, Vater, Kinder wird als „reaktionär“ diffamiert und in den Dunstkreis der Rechtslastigkeit gestellt (übrigens auch in Antihaltung zu dem Familienbild, das viele, vor allem muslimische Neubürger*innen aus ihrer Herkunftskultur mitbringen).

Frage: Was soll unter einem „zeitgemäßen Familienbegriff“ verstanden werden?

  • Ist es die Familie, in der – um ein auskömmliches Familieneinkommen zu erwirtschaften – beide Elternteile in Vollzeit erwerbstätig sein müssen, während ihre Kinder ab dem 1. Geburtstag entsprechend umfänglich in Fremdbetreuung gegeben werden, ungeachtet der Folgen, vor denen Entwicklungsforscher und Kinderpsychologen unüberhörbar warnen?

 

  • Ist es die Familie, in der ein alleinerziehender Elternteil mit den Kindern am Existenzminimum vegetiert, weil die Politik sich permanent weigert, die elterliche Erziehungsarbeit als eine lohnwerte, gesellschaftlich unentbehrliche Leistung anzuerkennen und entsprechend zu honorieren? Auch für diese alleinerziehenden Eltern hat der Tag nur 24 Stunden, in denen es an Zeit, Kraft und Zuwendung für die Kinder zwangsläufig mangelt.

 

  • Ist es die Familie, in der der „moderne“ Vater den Großteil der Familienarbeit samt den damit verbundenen Diffamierungen übernimmt? Wie realistisch ist es, auf dieser Grundlage eine Mehrheit der Männer für diesen Rollenwechsel gewinnen zu wollen?

 

  • Ist es die „Familie“, in der beide Partner bewusst auf Nachwuchs verzichten, damit beide ungeschmälert in den Genuss der „progressiven Gleichstellungspolitik“ des DF kommen?

 

  • Wie ist es mit Art. 3 (2) GG zu vereinbaren, wenn Mütter vom Gleichberechtigungsanspruch der Frauen praktisch ausgeschlossen werden, weil sie überwiegend die Erziehungsarbeit übernehmen und das oft auch selbst wollen?

 

  • Wie ist zu rechtfertigen, dass die Familienpolitik und auch die Agenda des DF sich zunehmend über Art. 6.2 unseres Grundgesetzes hinwegsetzen, der die Pflege und Erziehung der Kinder als „das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht“ festschreibt? Wie also ist der millionenschwere, einseitige Ausbau der Fremdbetreuung zu rechtfertigen, wenn kein adäquater finanzieller Ausgleich für die in den Familien geleistete Erziehungsarbeit gewährt wird?

Oder anders gefragt: Was sollen die Merkmale einer Frauenpolitik sein, die dieses Attribut verdient?

  • Begnügt sich ein ehrenwerter Feminismus damit, die Frauen den Männern gleichzustellen, so, als hätten sie dieselben Neigungen, Begabungen und Bedürfnisse, und so, als bestünde das Leben nur aus der selbstverständlich gleich zu entlohnenden Erwerbsarbeit?

 

  • Begnügt er sich weiterhin mit einer Gleichstellungspolitik „für alle“, aber unter Ausschluss der Mütter, die den Vorgaben des DF nicht folgen wollen. anstatt sich einzusetzen für eine gleichberechtigende Politik der Vielfalt, in der auch die „Hausfrau und Mutter“ ihren anerkannten Platz hat?

 

  • Welche Institution darf sich anmaßen, den Begriff „partnerschaftliche Aufteilung der Erwerbs- und Familienarbeit“ verbindlich als eine 50:50-Beteiligung zu definieren, unter Ausschluss der freien Absprache der Partner nach Maßgabe ihrer persönlichen Verhältnisse und der jeweils speziellen Familienkonstellation?

 

  • Wer darf sich anmaßen, die Väter z. B. durch immer neue „Reformen“ des Elterngeldgesetzes dahingehend zu gängeln, im Dienste einer wirklichkeitsfremden Ideologie verstärkt in die Familienarbeit einzusteigen, auch wenn ihr Wechsel in die Elternzeit das Familieneinkommen in der Summe schmälert? Einkommensschwache Familien können sich Vätermonate nicht leisten, wohlhabende Eltern nutzen sie gerne zu ausgedehnten Reisen. Wo bleibt da die Gerechtigkeit?

 

  • Warum kann eine Frauen- und Familienministerin Giffey glänzen, indem sie – als handle sie mit optimal auspressbaren Zitronen – stolz verkündet, dass „das Erwerbsvolumen von Müttern um 1,5 Milliarden Stunden p.a. zugenommen“ hat? Warum warnt sie Frauen vor Teilzeitarbeit? Wäre es nicht vielmehr ihre Aufgabe, sich endlich dafür einzusetzen, dass Eltern, die zugunsten der Erziehung ihrer Kinder in Teilzeit erwerbstätig sind, für den anderen Teil ihrer Tätigkeit, nämlich für die Familienarbeit Anerkennung und Lohn erhalten?

Im Übrigen verwahren wir uns dagegen, traditionelle Familienwerte wie Liebe und Sorge der Eltern für ihre Kinder in die Nähe „rechtspopulistischer und rechtsextremistischer Kräfte“ zu rücken. Wir sehen unsererseits die demokratische Grundordnung gefährdet, wenn die im Grundgesetz verankerten Rechte der Eltern und damit indirekt auch die Rechte der Kinder durch staatliche Bevormundung immer weiter untergraben werden.

Im Namen unserer Mitglieder fordern wir den Vorstand des Deutschen Frauenrats auf, seine populistische, mütter- und zukunftsfeindliche Einstellung zu überdenken und sich mit unseren Argumenten und Fragen ernsthaft zu befassen.

Mit freundlichen Grüßen

i.A. Gertrud Martin, Mitglied des Vorstands

3 Kommentare zu “Stellungnahme gegenüber dem Deutschen Frauenrat

  1. Maria Fellner schreibt:

    Nicht nur der DF muss seine Einstellung überdenken, sondern auch unsere Politikerinnen, die so abgehoben und realitätsfremd reagieren, dass sie für alles mögliche Geld bereitstellen – nur für die Familienarbeit ist kein Geld da!
    Wen wundert es da, wenn auch Kindergartenpädagoginnen, Krankenschwestern und Köchinnen so schlecht verdienen? Das sind alles Aufgaben der Mütter und diese sind ja bekanntlich „nichts wert“!

  2. Ines Pistner schreibt:

    Super argumentiert! Genauso ist es!

    Einziger Schönheitsfehler: in Einführungstext schreiben Sie, dass „die Nazis“ die Mutterrolle (…) missbraucht haben. Der korrekte Begriff ist „Nationalsozialisten“. Auch die braune Diktatur war, wie die zweite Diktatur auf deutschem Boden, eine sozialistische, eben durch nationale Sozialisten.

    Vielfalt in einer solidarischen Gesellschaft MUSS auch die Menschen einschließen, die in den Diskussionen über Toleranz und Vielfalt regelmäßig marginalisiert werden: Familien, die als Vater, Mutter und ihre Kinder ihr Zusammenleben selbst gestalten wollen!

  3. Michael Horn schreibt:

    Herzlichen Dank für diese hervorragende Antwort an Frau Paul.
    Um zu verstehen, was in unserem Land in den letzten 5-10 Jahren passiert sollte man sich das folgende zu Gemüte führen:
    Ein Skript, das 1943 vom Zentralkomitee der KPdSU in Moskau in Übereinstimmung mit der Parteilinie entworfen worden war, fordert: „Mitglieder und Frontorganisationen müssen unsere Kritiker ständig in Verlegenheit bringen, diskreditieren und herabsetzen. Wenn Verzögerungstaktiker allzu lästig werden, etikettiere man sie als Faschisten oder Nazis oder Antisemiten. […] Die Gleichstellung wird, wenn man sie häufig genug wiederholt, in den Augen der Öffentlichkeit zur „Tatsache“ werden.“
    Quelle: Patrick J. Buchanan, Der Tod des Westens S. 83

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