Grabenkämpfe … oder: Wie Frauen ihre Kraft verlieren!

Hinter mir liegen zwei Tagungen innerhalb einer Woche zu ganz unterschiedlichen Themen – zwei Tagungen, denen gemeinsam war, dass die Diskutierenden zum überwiegenden Anteil weiblich waren und auch die Themen überwiegend Auswirkungen auf das Leben von Frauen haben.
(Die eine Tagung wurde organisiert von der Feministischen Partei Deutschlands mit dem Thema "Feministische Utopien" – die andere war eine von der Hans-Böckler-Stiftung organisierte Tagung mit Vertretern der Gewerkschaften, Arbeitgebern, Arbeitsvermittlern und offiziellen Stellen zum Thema "Arbeitszeiten – Familienzeiten".)

An beiden Tagungen nahm ich, außer aus persönlichem Interesse, auch als Vertreterin der dhg teil – weniger um Informationen auszuteilen als um Informationen und Stimmungen einzufangen, die unser alltägliches Leben vielleicht – mehr oder weniger bald beeinflussen könnten.
Wirklich beeindruckt hat mich folgendes:
Auf beiden Tagungen gab es unterschiedlichste Frauen mit unterschiedlichsten Lebensläufen – einander mehr oder weniger tolerierend.

Nur beim Thema Kindererziehung war von Toleranz keine Spur mehr – es ging, auf beiden Tagungen, auch nicht mehr um den Austausch von unterschiedlichen Argumenten oder Sichtweisen zu dem Thema – es ging um Wut, Angst vor Schuldzuweisungen, schlechtem Gewissen, Angst vor Rückschritten in der Geschlechtergerechtigkeit – einfach um ungute Emotionen, die zu Vorwürfen führten.
Vorwürfe direkt an die Adresse der dhg als Vertreterin der Frauen, die – wenn sie ihre Kinder selber erziehen wollen, – dadurch keine Nachteile erleiden wollen.

Zum Teil verhinderten die Emotionen, dass unseren Worten überhaupt zugehört wurde oder ein Dialog entstehen konnte.
Die Angriffe, denn letztendlich war es nichts anderes, fanden auch nicht statt unter den Frauen, die am wenigstenÄhnlichkeiten in ihrer Lebenssituation hatten, sondern – im Gegenteil – unter den Frauen, deren Leben sich, meiner Vermutung nach, eher ähnelt – unter den Müttern.
Entscheidender Unterschied war nicht einmal die Teilhabe an Erwerbstätigkeit , sondern es genügte, dass wir als Mütter die Position vertreten, dass – wenn wir unsere Kinder selber erziehen möchten (vollständig oder teilweise) – wir keine Nachteile dadurch in Kauf nehmen wollen und unsere (und letztendlich ja die Arbeit aller Mütter) aus der Unsichtbarkeit hervorholen wollen. Das rechtfertigte in den Augen der "anderen" Frauen ihre Angriffe!

Ich vertrete nicht die Position, dass ich alleine sicher weiß, was Kinder brauchen. Auch die Wissenschaften warten mit immer wieder unterschiedlichen Ergebnissen auf. Auch bin ich mir allzugut bewusst, dass ich ein Ergebnis meiner Kultur und meiner Zeit bin mit meinen Lebenseinstellungen und daraus erwachsenen Verhaltensweisen.
Was ich aber sicher weiß ist, dass Grabenkämpfe unter Frauen, unter Müttern, uns unnötige Kraft kosten – vielleicht sehr zur Freude anderer? Es kann uns alle nicht weiterbringen – und damit meine ich nicht nur Mütter, sondern alle Frauen (eigentlich alle Menschen), wenn einzelne Gruppierungen von uns glauben, anderen Vorwürfe machen zu können, weil sie Dinge aus anderen Blickwinkeln betrachten.
Wirklich sinnvoll ist da doch nur der Austausch von Argumenten, um sich gegenseitig zu überzeugen!
Ich als Vertreterin der dhg werde mich nicht in diese Grabenkämpfe hineinziehen lassen – ich respektiere die Entscheidungen aller Frauen zu der ihnen eigenen Lebensform.

Diese Erlebnisse der Illoyalität von Frauen untereinander machen mich sehr betroffen, aber sie werden mich nicht davon abbringen, für die gerechte Bewertung der Arbeit von Frauen zu streiten.

Claudia Haider

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