Fremdbetreuung von U3-Kindern genau besehen

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Artikel von Franz Josef Stuhrmann in der fh 1/22

Wer aufmerksam verfolgt, was hierzulande als „Familienpolitik“ firmiert, kommt unversehens ins Grübeln. Worum soll es dabei gehen? Geht es um die geschlechtergerechte Beteiligung der Väter an der unbezahlten Familienarbeit? Geht es um das Interesse der „gut ausgebildeten jungen Frauen“, nicht durch Mutterschaft den Anschluss im Erwerbsleben zu verlieren? Geht es um die Emanzipation der Frau? Geht es um eine wirkliche Wahlfreiheit beider Eltern bei der Entscheidung, wie und durch wen ihr Kind erzogen werden soll? Geht es um die wirtschaftlichen Aspekte der Träger der institutionellen Betreuungsinfrastruktur? Geht es um die Sorgen der „Wirtschaft“, die händeringend nach Arbeitskräften sucht? Oder geht es am Ende gar um das Kindeswohl, also um die Chance für jedes Neugeborene, von seinen Eltern liebevoll, bei körperlicher, wie seelischer Gesundheit ins Leben begleitet zu werden? Der zunehmende Individualismus in unserer Gesellschaft begünstigt einen Lebensstil, der die Entwicklung und die Stabilität der Bindungen zwischen den Menschen schwächt. Das betrifft nicht zuletzt auch die Familie als grundlegend tragender Pfeiler der Gesellschaft. Sie macht zurzeit eine tiefe kulturelle Krise durch. Allerdings wirkt die aktuelle Familienpolitik daran verstärkend mit, anstatt einen wirksamen Schutz zu organisieren.

 

I. Das Märchen von der Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Leitlinie der heutigen Familienpolitik ist die „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“, anzustreben durch die Gleichstellung von Mann und Frau im Erwerbsleben. Grundlage der Familienpolitik sollten jedoch die Vorgaben des Grundgesetzes Art. 6 Abs. 2 sein: „Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft“. Muss das nicht auch bedeuten, dass die staatliche Gemeinschaft gefordert ist, die Bedingungen für die Erfüllung dieser Festschreibung zu schaffen? Aber wie sieht die Realität aus? Der Politik geht es in Wirklichkeit nicht um die Familien, sondern allein um die Wirtschaft. Die Politik versucht, die Familien den Bedingungen des Arbeitsmarktes anzupassen. Das gilt vielen als alternativlos – andere Meinungen gelten als rückwärtsgewandt, gar frauenfeindlich. Seit langem herrscht in Deutschland parteiübergreifend Übereinstimmung, was moderne, familienfreundliche Politik bedeute, nämlich den massiven Ausbau staatlich subventionierter Angebote der institutionellen Fremdbetreuung für alle Kinder ab dem 1. Geburtstag, um beide Eltern für die Vollzeit-Erwerbstätigkeit freizustellen Eine solche „Familien“politik läuft aber auf die umfassende räumliche und zeitliche Trennung von Eltern und Kindern und die massive Schwächung der Familienbande hinaus. Manche Politiker fordern inzwischen, die Einrichtungen auch nachts zu öffnen, damit Eltern in Nachtschichten arbeiten können. Als Begründung wird angeführt, sozial sei alles, was den Menschen hilft, sich ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen.1

Kein Gedanke daran, dass auch die Familienarbeit Arbeit ist, die z.B. unsere umlagefinanzierten Sozialkassen absichert und für die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft schlechthin unabdingbar ist. Ganz gewiss steht diese Arbeit dem Wert einer Erwerbsarbeit in nichts nach und ihre Honorierung durch ein elterliches Erziehungseinkommen (EEE) ist seit langem überfällig.

Neben dem ständigen Zeitdruck und der Doppelbelastung in Beruf und Familie macht vor allem Müttern heutzutage immer noch die fehlende Wertschätzung ihrer familiären Leistungen zu schaffen. Rund ein Viertel der Frauen, die in einer vom Müttergenesungswerk anerkannten Klinik eine Mütter- oder Mutter-Kind-Kur machen, führen mangelnde Anerkennung als Belastungsfaktor an. Trotz eines modernen Frauenbildes sind Mütter sehr hohen Erwartungen in Bezug auf Haushalt und Familie ausgesetzt. Selbst wenn sie durch die familienbezogene Arbeit krank werden, stehen sie noch unter Rechtfertigungsdruck. Es wäre allerdings rein gar nichts gewonnen, wenn vermehrt die Väter zu denselben ruinösen Bedingungen in die Familienarbeit einsteigen. Diese heute oft erhobene Forderung ist an Dreistigkeit und Dummheit nicht zu überbieten! Wer heute mit Rücksicht auf die Kinder allzu lange zu Hause bleibt, riskiert, den Wiedereinstieg in den Beruf zu verpassen mit der Folge, spätestens im Alter zu verarmen. Für den deutschen Wohlfahrtsstaat ist es skandalös, dass ausgerechnet die unentbehrlichsten Leistungsträger, die Familien, am stärksten von Armut betroffen sind. Angesichts dieser Familienpolitik kommt man schnell zu der Überzeugung, dass ihr Zweck vor allem darin besteht, die Familie weiterhin auszubeuten. Die Betreuung der Kinder und Säuglinge erfolgt nicht mehr – wie die Entwicklungs- und Kinderpsychologen es fordern – vorrangig durch die Eltern, sondern durch Fremde. Es soll eine radikale Ökonomisierung der Familien einschließlich der Kinder und Kleinstkinder stattfinden. Die Enteignung der Kindheit und die Verstaatlichung der Familie sind die Folge. Der Sozialismus lässt grüßen.

 

II. Das U3-Kind in der Fremdbetreuung 2

„Wir alle haben unser Glücksvermögen in der Kindheit erworben. Wird es dort gestört, bleibt es gestört ein Erwachsenenleben lang“ so Wolfgang Bergmann (1944-2011), ehemaliger Leiter des Instituts für Kinderpsychologie und Lerntherapie in Hannover.

Aus Entwicklungspsychologie und Hirnforschung weiß man, dass Säuglinge und Kleinkinder sensible Erwachsene brauchen, die feinfühlig auf ihre Bedürfnisse eingehen und dazu ein Umfeld, das reich an Anregungen ist. Die Bezugspersonen müssen den Kleinen Zuwendung, Sicherheit, Stressreduktion, Unterstützung beim Entdecken und Assistenz bieten. 3

Evolutionsbiologisch entwickelt sich im ersten Lebensjahr eine besondere Bindungsbeziehung zu der vorrangigen Fürsorgeperson. Das ist in aller Regel die Mutter. Nur sie ist durch Schwangerschaft, Geburt und Stillen hormonell und emotional auf den Säugling eingestellt. Auch ist der Säugling mit ihrer Stimme, ihrem Atem- und Herzrhythmus mit ihrer Mimik, ihrem Zugriff und Blickverhalten so vertraut wie bei keinem anderen Menschen. Diese Bindungsbeziehung bildet die Grundlage von Urvertrauen. Der deutsche Soziologe Dieter Claessens definierte Urvertrauen als die stabile soziale Einstellung, die in den ersten Lebensmonaten geprägt wird. Nach ihm erwirbt jeder Mensch in der allerersten Lebenszeit die Grundeinstellung, dass er Situationen und Menschen vertrauen kann, oder aber er erwirbt sie nicht und kann sie dann im späteren Leben nicht mehr nachholen.

Die Entwicklung des Urvertrauens ist aber mit dem ersten Lebensjahr noch nicht abgeschlossen, sondern setzt sich vor allem in dem zweiten und dritten Lebensjahr fort und stabilisiert sich langsam. Nach dem Ausmaß des erworbenen Urvertrauens werden das Empfinden und Verhalten eines Menschen ein Leben lang unbewusst gesteuert. So ist das Urvertrauen unter anderem Grundlage für das Selbstvertrauen (Selbstwertgefühl), das Vertrauen in andere (z.B. Partner- schaft), oder das Vertrauen in die vorgefundene Welt, in der es sich zu leben lohnt. Im Gegensatz dazu können ungenügende Zuwendung, Vernachlässigungen, und Misshandlungen zu einer mangelhaften Ausbildung des Urvertrauens führen mit der Konsequenz von Misstrauen, Aggressivität und Depressionen. 4

Selbstverständlich hat auch der Vater eine wichtige Aufgabe im Beziehungsgeflecht Mutter – Kind. Auch wenn es verschiedene Theorien gibt, sind sich die Forscher in einem weitgehend einig: Der Vater spielt eine wesentliche Rolle bei der Ablösung des Kindes vom naturgegebenen Eins-Sein mit der Mutter. Der Vater vermittelt dem Kind ein Gefühl von Differenz. Er ist der andere, der dazu beitragen kann, dass aus der einen (meist Mutter-Kind-) Beziehung ein weit verzweigtes Netz von Beziehungen werden kann. Der Vater spielt eine große Rolle bei der Entwicklung des Kindes im Hinblick auf die Sozialisation und die Entwicklung der geschlechtlichen Identität. 5

Was sind die Folgen, wenn eine Gesellschaft flächendeckend auf Fremdbetreuung setzt? Schon im Jahre 2015 zeigte sich in Skandinavien, wo Fremdbetreuung schon seit Jahrzehnten die Regel ist, dass die Risiken der mangelhaften Familienbindung der Kinder ignoriert werden, obwohl Statistiken eine massive Zunahme von Aggressivität, Verhaltensauffälligkeiten und Depressionen bei Jugendlichen nachweisen, die sich u.a. in asozialem Verhalten äußert. Depressionen bei Mädchen hätten in den vergangenen 20 Jahren um 1000 Prozent zugenommen, Angststörungen um 250 Prozent. 6

 

III. Studien zur Fremdbetreuung von Kleinkindern

Weltweit wurden bisher viele Studien zur Fremdbetreuung von Kleinkindern erarbeitet, so auch in Deutschland. Medial fanden die Studien der wirtschaftsnahen Bertelsmannstiftung und der regie- rungsnahen Konrad-Adenauer-Stiftung großen Anklang. Allerdings sind diese Studien mit großer Vorsicht zu betrachten, da sie unter rein volkswirtschaftlichen Aspekten erstellt wurden. Gesichtspunkte wie Primärbindung von Kleinkind und Eltern sowie auftretende Stressfaktoren von Kind und Eltern fanden so gut wie keine Berücksichtigung.

Im Nachfolgenden wird auf internationale Studien zur Fremdbetreuung von Kleinkindern eingegangen, in deren Mittelpunkt die Auswirkungen der Fremdbetreuung unter dem besonderen Merkmal der Primärbindung stehen.

1. NICHD-Studie (USA 1998/2010)

Die bislang wohl umfassendste Studie zu den Auswirkungen einer frühen Fremdbetreuung stellt die Studie des National Institute of Child Health and Human Development (NICHD) Early Child Care Research Network dar, die in den USA durchgeführt wurde. Diese Mega-Studie über die verschiedenen Betreuungs-Umwelten von Kleinkindern und deren späteren Werdegang ist bisher einzigartig. Im Rahmen dieser Studie begleiteten Wissenschaftler ab 1991 zunächst 1364 Kinder. Es wurden hinsichtlich der Fremdbetreuung unter anderem Faktoren wie Mutter-Kind-Beziehung, soziale Entwicklung sowie die kognitive Entwicklung untersucht mit den folgenden Ergebnissen:

– Mutter-Kind-Beziehung:

Eine außerfamiliäre Betreuung des Kindes erwies sich als nachteilig für die Mutter-Kind-Beziehung, wenn die Mutter ergänzend wenig feinfühlig war und geringe kommunikative Signale im Umgang mit ihrem Kind zeigte. Diese Effekte wurden weiter verstärkt, wenn nicht nur die Mutter, sondern auch die außerfamiliäre Betreuung durch mangelnde Sensitivität gekennzeichnet war. Je mehr Zeit die Kinder während der ersten 3 Jahre fremdbetreut waren, desto negativer waren die Auswirkungen auf die Mutter-Kind-Interaktionen.

– soziale Entwicklung:

Im Hinblick auf die soziale Entwicklung zeigte sich ebenfalls ein negativer Effekt einer frühen außerfamilialen Betreuung. Sehr beunruhigend war der Befund, dass Tagesbetreuung sich unabhängig von sämtlichen anderen Messfaktoren negativ auf die sozial-emotionalen Kompetenzen der Kinder auswirkt. Je mehr Zeit die Kinder in einer Einrichtung verbrachten, desto stärker zeigten sie später dissoziales Verhalten wie Streiten, Kämpfen, Sachbeschädigungen, Prahlen, Lügen, Schikanieren, Begehen von Gemeinheiten und Grausamkeit, Ungehorsam oder häufiges Schreien. Unter den ganztags betreuten Kindern zeigte ein Viertel im Alter von vier Jahren Problemverhalten, das dem klinischen Risikobereich zugeordnet werden muss. Später konnten bei den inzwischen 15-Jährigen signifikante Auffälligkeiten festgestellt werden, unter anderem Tabak-, Alkohol- und Rauschgiftkonsum, Diebstahl und Vandalismus. 7

Noch ein weiteres, ebenfalls alarmierendes Ergebnis kristallisierte sich heraus: Die Verhaltensauffälligkeiten waren weitgehend unabhängig von der Qualität der Betreuung. Kinder, die sehr gute Einrichtungen besuchten, verhielten sich fast ebenso auffällig wie Kinder, die in Einrichtungen minderer Qualität betreut wurden.

– kognitive Entwicklung:

Kinder, die in den ersten drei Lebensjahren ausschließlich bei der Mutter waren, erzielten bei den Wissens- und Sprachtests im Durchschnitt ähnliche Ergebnisse wie fremdbetreute Kinder – aber bessere, wenn die Qualität der Fremdbetreuung niedrig, und schlechtere, wenn diese hoch war.

Die Untersuchungen im 15., 24., 36. und 54. Lebensmonat ergaben, dass früher beginnende Betreuungsverhältnisse mit besseren Ergebnissen abschnitten, aber auch mit mehr problematischen und mehr asozialen Verhaltensweisen. Eine von der Stundenzahl her längere Fremdbetreuung führte zu mehr Verhaltensauffälligkeiten und Konflikten. 8

– Nachuntersuchung im Jahr 2010

Eine Nachuntersuchung der Teilnehmer der NICHD-Studie im Alter von 15 Jahren kommt zum Schluss: Kinder, die extensiv und früh fremd betreut wurden, zeigten später signifikant häufiger impulsives und risikoreiches Verhalten, u.a. in den Bereichen Alkoholkonsum, Rauchen, Drogenmissbrauch, Waffengebrauch, Diebstahl, Vandalismus. 9

2. FCCC – Family, Children and Child Care Study (England 2013)

Diese Langzeitstudie mit 1200 Kindern und deren Familien bestätigt die Ergebnisse der NICHD-Studie weitgehend. Laut der führenden Entwicklungspsychologin in England, Penelope Leach, Leiterin der FCCC-Studie, zeigen Studienergebnisse aus der ganzen Welt ziemlich eindeutig, dass je weniger Zeit Kinder unter drei Jahren in Gruppenbetreuung verbringen, desto besser für sie.

3. The relationship between childcare and problem behaviour in Switzerland (Schweiz 2011) 10

In einer Studie des Züricher Projekts zur sozialen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen wurden 1200 Schüler mit 7 Jahren als Erstklässler durch Lehrer und Eltern beurteilt. Je mehr gruppenbezogene externe Kindertagesstätten-Betreuung Kinder zwischen 0 und 7 Jahren erlebt hatten, desto stärker zeigte sich der Anstieg von Problemen in folgenden Bereichen: Aggressives Verhalten, motorische Unruhe mit Aufmerksamkeitsdefiziten (ADHS), Angst und Depressionen.

4. Universal Child Care, Maternal Labor Supply, and Family Well-Being (Kanada 2008) 11

Nachdem im Landesteil Quebec die Kinderbetreuung in Form von Krippen, Tagesmüttern, Pflegefamilien usw. staatlich stark subventioniert wurde, nahm die Berufstätigkeit der Mütter von kleinen Kindern an Zahl und Umfang und parallel dazu auch die Fremdbetreuung stark zu. Folgen: Eltern berichteten über vermehrte Hyperaktivität, Angst, Aggressivität und Krankheitsanfälligkeit ihrer Kinder. Auch sie selbst hatten mit der Erziehung vermehrt Probleme, mangelnde Effektivität, sowie schlechtere Interaktionen mit ihren Kindern. Auch stellten die Eltern bei sich persönlich nun vermehrt Stresserscheinungen und Gesundheitsprobleme fest. Wegen dieser Risiken einer frühen externen Gruppenbetreuung und dem großen Einfluss des Elternhauses, so die Folgerung der Autoren, sollte die Familienerziehung von Kleinkindern finanziell gefördert werden.

5. Vergleichsstudie Krippe – Familie (Deutschland 2006) 12

Kleinkinder erfahren in der Krippe weniger individuelle Zuwendung, Stimulation und Kommunikation als in der Familie. Kleinkinder regulieren ihre Stimmungen vorzugsweise im Kontakt mit ihren Eltern und nicht in der Krippe. Krippenkinder „quengeln“ nach dem Abholen vermehrt, „wahrscheinlich, um auf diese Weise ihre Eltern ganz für sich zu beanspruchen“. Die Eltern müssen ihnen helfen, den „ereignisreichen Tag“ zu verarbeiten und „langsam zur Ruhe zu kommen“. Es zeigt sich aber, „dass nach einem langen Tag der Trennung Kinder und Eltern weniger aufmerksam miteinander umgehen.

6. „Wiener Krippenstudie“ der Universität Wien (2012)

Die „Wiener Krippenstudie“ untersuchte die Stresssituation von Kleinkindern im Alter von 10 bis 36 Monaten in Fremdbetreuung. Die Untersuchenden stellten mit ihrer Forschungsarbeit heraus, dass die frühkindliche Fremdbetreuung sich negativ auf die Stressbewältigung der Kleinkinder auswirkt:

Aufgrund der Stresssituation zeigte sich der Cortisolspiegel der Kleinen zunächst erhöht, sank dann jedoch langfristig ab und fiel sogar unter Normalwert. Der reduzierte Cortisolspiegel erschwert den fremdbetreuten Kindern den Stressabbau und bringt die Kinder in einen Zustand, der vergleichbar ist mit dem Burnout bei Erwachsenen. Bereits nach 10 Wochen Fremdbetreuung sei diese Veränderung messbar.

 

IV. Fazit

Wer Familie und Beruf heute gleichzeitig unter einen Hut bringen will, zahlt einen Preis – und dieser Preis ist hoch. Die Familie als grundlegender, unverzichtbarer, schutzbedürftiger und schutzwürdiger Baustein der Gesellschaft wird durch die gegenwärtige Familienpolitik entwertet, wenn nicht sogar zerstört. Leidtragende dieser Familienpolitik sind neben den Eltern unsere Kinder, vor allem unsere Kleinsten. Viele Studien belegen eindeutig, dass Kleinkinder unter 3 Jahren nicht in die Fremdbetreuung gehören. Es ist durch nichts zu belegen, dass Fremdbetreuung Kleinkinder in irgendeiner Weise fördere. Ganz im Gegenteil: Kinder leiden unter Stress, der wiederum bleibende Schäden verursacht.

Angesichts der existenziellen Bedeutung der Familie für Staat und Gesellschaft besteht dringender Handlungsbedarf.

 

1. Vgl. Bundeszentrale für politische Bildung, Essay: Die Familie wird wirtschafts- politisch gemacht v. 27.07.2017

2. Unter Fremdbetreuung im Sinne des Artikels wird die Betreuung von Kindern in Betreuungseinrichtungen verstanden, d. h., wenn Eltern ihre Kinder nicht selbst betreuen.

3. Vgl. Lieselotte Ahnert, Entwicklungspsychologin, Universität Wien, im Jahre 2010

4. Vgl. Wikipedia, Urvertrauen, 25.11.2021

5. Vgl. Die Bindung zwischen Vater und Kind. Ein Forschungsüberblick, Bachelorarbeit, 2006, Jana Schroeder

6. Vgl. Zukunft.ch Mit Werten Werte schaffen, Informationsblatt 2015, Pädagogin Erja Rusanen (Universität Helsinki) berichtet nach 40 Jahren Gruppenerziehung in Finnland.

7. Vgl. Dr. Albert Wunsch, Psychologe, Diplom-Sozialpädagoge, Diplom-Pädagoge und Erziehungswissenschaftler, Intensive Krippen-Betreuung als latent destabilisierender Einfluss, Gastkommentar in „Das-Tagebuch.at“, 30. April 2015,

8. Das KiTa-Handbuch, Martin R. Textor

9. Vandell DL et al (2010), Do effects of early child care extend to age 15 years? Results from the NICHD SECCYD, Child Dev, 81(3): Pages 737-756

10. Averdijk M., Besemer S., Eisner M. et al. (2011) European Journal of Developmental Psychology, Volume 8, 2011 – Issue 6

11. Vgl. Journal of Political Economy, 116, Pages 709–745

12. Vgl. Ahnert L. et al. (2000), Shared caregiving: Comparison between home and childcare settings, Developmental Psychology, 36, Pages 339–351.

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