Frankreichs Jagd nach Geburtenrekorden: Ein Vorbild für Deutschland?

Eine Mitteilung des HBF vom 18. Januar 2007

Der jüngste Geburtenrekord in Frankreich sorgt hierzulande für neidvolles Staunen: Mit 830.000 Babys bekamen die Französinnen letztes Jahr im Schnitt 2,1 Kinder pro Frau.

Eine demographische Idealgröße, von der Politiker/innen in der schrumpfenden Greisenrepublik Deutschland nur träumen können.

Triumphierend verweisen französische Politiker und Experten auf das Geheimnis dieses Erfolgs: Es sei vor allem die gelungene Vereinbarkeit von Familie und Beruf (HPL). Und von deutschen PolitikerInnen erfolgt dann gern der ergänzende Hinweis, daß das Kindergeld in Frankreich für zwei Kinder ganze 115 Euro pro Monat betrage (HPL).

Betrachtet man sich allerdings genauer, welche familienpolitischen Neuerungen Frankreich in den letzten Jahren eingeführt hat, dann fallen neben Erleichterungen für die organisierte Kinderbetreuung vor allem deutlich erhöhte finanzielle Leistungen an die Familien auf. Beispielsweise:

Eine Geburtenprämie von 800 Euro, die drei Monate vor der Geburt ausbezahlt wird. (seit 1. Januar 2004)
Ein dreijähriges und einkommensunabhängiges Erziehungsgegeld ab dem zweiten Kind von monatliche 530 Euro; bei einer Teilzeitätigkeit von unter 50% beträgt es noch 400 Euro/Monat (seit 1. Januar 2004)
ein einkommensunabhängiges, einjähriges Erziehungsgegeld von monatlich 750 für Eltern, die ihre Berufstätigkeit ab dem dritten Kind nicht länger als 12 Monate unterbrechen (seit Juli 2006)
Unterm Strich eine massive finanzielle staatliche Förderung, die die drei-Kinder-Familie als gesellschaftlichen Standard etablieren will. Also das glatte Gegenteil dessen, was in Deutschland passiert – nämlich die finanzielle Diskriminierung kinderreicher Familien seit der Regentschaft Helmut Kohls, die von Schwarz-Rot fortgesetzt wird (vgl. HBF 2006).

Der Vergleich mit Frankreich ist noch in anderer Hinsicht höchst lehrreich. Das regierungsamtliche Streben nach einer möglichst hohen Geburtenrate geht offensichtlich mit einem gesellschaftlichen Klima einher, bei dem Kinder als "nationale Pflicht" gelten, was die Entscheidung gegen Kinder ausschließt (HPL), und bei dem der Präsident der Republik demonstrativ die gebärfreudigsten Französinnen in seinem Elysée-Palast mit einer Medaille auszeichnet! (HPL).

Außerdem ist zwar der Begriff "Rabenmutter" in Frankreich unbekannt – jedoch anscheinend auch Begriffe wie "verantwortete Elternschaft" oder "partnerschaftliche Erziehung". Nur so läßt sich etwa die Klage der ehemaligen französischen Familienministerin und heutigen sozialistischen Präsidentschaftskandidatin Segolene Royal verstehen, die im Frühjahr 2001 den "Rückzug der Eltern" für das "Chaos unter der Jugend" (HPL) verantwortlich machte. Oder das französische Erziehungsverständnis, bei dem ein autoritärer Erziehungsstil in den Familien, Krippen, Ecoles Maternelles und Schulen selbstverständlich ist (HPL).

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