Die schleichende Zerstörung der Familie – Wollen wir das?

Beitragsbild: Schutz der Familie

 

von Dr. Johannes Resch in der fh 4/22

Seit mindestens 60 Jahren wird in Deutschland in einem gesetzlich verursachten, schleichenden Prozess die Familie zerstört. Dies steht nicht zuletzt in krassem Gegensatz zu unserem Grundgesetz. Daran waren alle seitherigen Bundesregierungen beteiligt. Es soll hier nicht diskutiert werden, inwieweit das bewusst oder unbewusst und inwieweit es gewollt oder ungewollt geschah. Nur die Tatsachen sollen beschrieben werden.

 

Die Auslagerung der U3-Kinder aus der Familie

Unter dem Vorwand „frühkindliche Bildung“ wird die Trennung der Kleinkinder von ihren Eltern und Auslagerung in Krippen propagiert und mit beträchtlichen Finanzmitteln gefördert. Tatsächlich resultiert aber im Gegensatz dazu eine massive Behinderung von Bildung. Durch die Trennung von Kindern und Eltern wird die Entstehung einer festen Bindung zwischen beiden erschwert und die Entfremdung gefördert. Mangelhafte Bindung zu Erwachsenen behindert aber die spätere Bildungsfähigkeit, wie heute nahezu alle Wissenschaftler bestätigen, die sich mit der Entwicklung von Kindern beschäftigen. Das Erlernen der Sprache in den ersten Jahren erfolgt nicht im Austausch mit anderen Kleinkindern, sondern im Kontakt mit Erwachsenen, der in einer Krippe schon wegen des Personalschlüssels niemals so eng sein kann wie zu den Eltern. Die Voraussetzungen für spätere Bildung werden dadurch deutlich verschlechtert.

In aktuellen Presseberichten war zu lesen: “Die Viertklässler rutschen bei den Leistungen in Deutsch und Mathematik einer Studie zufolge deutschlandweit weiter ab.“ Das liege an der Corona-Epidemie, aber nicht nur! Die naheliegende Frage, inwieweit die Krippen-Euphorie hier eine Rolle spielt, die just in der Zeit begann, als die heutigen Viertklässler im Krippenalter waren, wird gar nicht gestellt, geschweige denn seriös untersucht.

Der Psychotherapeut Georg Milzner fordert für Kleinkinder u.a. ein „Recht auf Anklammerung“ (an Erwachsene), ein „Recht auf Beziehungskonstanz“ und ein „Recht auf Teilnahme am erwachsenen Leben“.1 All das wird weitgehend verweigert, wenn Kleinkinder in eine Krippe gegeben werden.

 

Abwertung der elterlichen Erziehungsarbeit durch „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“

Mit dem Narrativ „Vereinbarkeit“ wird den Eltern, vor allem den Müttern vorgegaukelt, sie könnten durch „Gleichstellung im Erwerbsleben“ mit den Männern gleichberechtigt werden. Dabei wird aber stillschweigend vorausgesetzt, dass die Betreuung der eigenen Kinder keine „richtige Arbeit“ sei. Durch diese Missachtung der elterlichen Kinderbetreuungsarbeit wird aber gerade die Gleichberechtigung der Frauen erschwert bzw. unmöglich gemacht. – Im Übrigen bedeutet die „Vereinbarkeit“ ein Sonderopfer für Eltern, denn Erwerbstätige ohne Kinder müssen nicht „vereinbaren“.

 

Die Verarmung der Familien durch Enteignung der Eltern

Spätestens seit der Rentenreform 1957 wird die Rente der Arbeitnehmer nicht mehr von ihnen selbst angespart. Sie muss vielmehr später von den erwachsen gewordenen Kindern der Rentner „im Umlageverfahren“ bezahlt werden. D.h.: Die Rente der Erwerbstätigen wird nicht mehr durch deren eigene Beiträge finanziert, sondern ausschließlich durch die Beiträge von deren Kindern, wird folglich auch ausschließlich durch Kindererziehung erarbeitet. Der wirtschaftliche Ertrag der Kindererziehung kommt seitdem ausgerechnet den Eltern weniger zugute als den „Nur-Erwerbstätigen“, da der an die Kinder gerichtete Rentenanspruch sachwidrig von deren Erziehung gelöst und an Erwerbsarbeit gebunden wurde. D. h.: Eltern investieren und andere profitieren. Das hat zu einer fortschreitenden Verarmung der Familien und gleichzeitig zu wachsendem Luxus bei Kinderlosigkeit geführt. Die Folge war eine abnehmende Attraktivität von Familie mit sinkendem Kinderwunsch, was inzwischen auch die fragwürdige Ausgestaltung des heutigen Umlageverfahrens“ zugunsten der Rentner in Frage stellt.

Die abnehmende Attraktivität der Kindererziehung hat nicht nur die Diskriminierung der Frauen, besonders der Mütter, verstärkt, sondern hat unsere ganze Gesellschaft auf eine schiefe Ebene geschoben. Inzwischen hat der Geburtenrückgang auch zu einem erheblichen Arbeitskräftemangel geführt, der auch unsere wirtschaftliche Leistungsfähigkeit belastet. Irgendeine Diskussion über die auf der Hand liegenden schweren politischen Fehler findet aber auf der politischen Ebene nicht statt, geschweige denn wird eine saubere wissenschaftliche Aufarbeitung angestrebt.

 

Was lernen wir daraus?

Unsere Gesellschafts- und Familienpolitik wird schon seit Langem nicht mehr von rationalen Überlegungen geleitet. Im Vordergrund stehen dagegen nur ideologisch begründete Gedankengebäude, die die herkömmliche Erwerbsarbeit über- und die elterliche Erziehungsarbeit unterbewerten. Dabei steht aber nicht nur das Denken der Marxisten im Vordergrund, die tatsächlich vor allem die Erwerbsarbeit ganz in den Vordergrund stellen. Dahinter steht ebenso das kurzfristige Profitdenken der Wirtschafts- und Finanzlobby. Auf beiden Seiten findet die Kinderbetreuungsarbeit keine sachgerechte Würdigung. Damit trägt beides – im Gegensatz zur öffentlichen Propaganda – zur Diskriminierung der Frauen, besonders der Mütter, bei, mit allen Folgen für ein nicht mehr nachhaltiges Funktionieren der Gesellschaft.

 

Was ist zu tun?

Heute sieht alles so aus, dass die Entwicklung auch in Zukunft so weiter läuft wie bisher: Zerstörung der Familie, Zerstörung der Sozialsysteme, Zerstörung unserer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit. Wenn wir hier etwas ändern wollen, müssen sich diejenigen wehren, die unter dieser Entwicklung gelitten haben und weiter leiden. Das sind alle Eltern, besonders die mit mehreren Kindern und die Alleinerziehenden, aber auch alle Jugendlichen, die sich noch Kinder wüschen und die Großeltern, die um die Zukunft ihrer Enkel besorgt sind. Deshalb unser Aufruf: Schließt euch unserem Verband an! Gemeinsam können wir stark werden und auch in der Politik Berge versetzen.

Wir fordern!

Wir fordern die ideelle und finanzielle Gleichbewertung der elterlichen Kinderbetreuung mit herkömmlicher Erwerbsarbeit. Kinderbetreuung darf nicht mehr als „Frauenarbeit“ abgewertet werden. Kinderbetreuung kommt heute allen Erwerbstätigen zugute und ist daher auch von allen zu finanzieren. („Umlageverfahren“ zugunsten der Kinder und Eltern). Dabei hat der Staat kein Recht, den Eltern vorzuschreiben, wie sie ihre Kinder zu erziehen haben. Er darf die Finanzierung nicht an eine vorgegebene Betreuungsform binden, wie das heute durch die ausschließliche Finanzierung der Krippenbetreuung geschieht. Den Eltern ist der Betrag auszuhändigen, der den öffentlichen Kosten eines Krippenplatzes entspricht. Nur dann haben Eltern die Wahlfreiheit, ob sie ihre Kinder selbst betreuen oder eine Fremdbetreuung ihrer Wahl finanzieren. Das kann dann z. B. auch eine Betreuung durch die Großeltern sein. Manche Großmutter würde lieber ihre Enkel betreuen, statt wegen ihrer geringen Rente „putzen“ gehen zu müssen. Wir fordern keine Sonderrechte für Eltern, sondern nur die Wahlfreiheit, die der Staat den Eltern laut unserem Grundgesetz schuldet.

 

Quellen:
1 Georg Milzner, „Die Rechte kleiner Kinder“ in der Zeitschrift „unerzogen“, Heft 3/2022, to-lo-go- Verlag

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