Brief von Monika Bunte an Anja Arp, Journalistin

Betreff: Sendung Zeitzeichen/Stichtag heute 9. Februar, Gründung Hausfrauengewerkschaft

Sehr geehrte Frau Arp,
ich möchte Ihnen zur Zeitzeichensendung vom 9. Februar noch etwas schreiben. Einerseits freue ich mich, dass die Sendung zustande kam. Andrerseits kann ich nicht verhehlen, dass ich nicht zufrieden bin.

Die Seifenpulverreklame führt zu der flinken Assoziation Waschen und Putzen. Dass es unserem Verband um Kindererziehung geht für eine Reihe von Jahren, wird von Ihnen eher nicht thematisiert. Wir vertreten kein "Lebensmodell", wie Prof. Uta Meier meint, bei dem man sich den Kindern "widmet" und "zu Hause bleibt". Bei dieser Wortwahl ist dann klar, dass das keine der Erwerbsarbeit gleichwertige "Arbeit" ist. Um diese Familienarbeit geht es uns, das ist die Entwicklung in den 25 Jahren, und diese Familienarbeit soll bezahlt und sozial abgesichert werden. – Wird die Erwerbsarbeit beibehalten und die Familienarbeit delegiert, dann wird auch das Entgelt für Familienarbeit an die entsprechende Person oder Institution weitergegeben, und für die Eltern, besonders die Mutter, bestünde Wahlfreiheit. Das alles stand Ihnen als Lektüre zur Verfügung, aber Sie sind nicht darauf eingegangen, sondern sprechen lieber von "Muttikultur" und vom "eisernen Ziel der Vollzeitmutti".

Die Zuordnung zur konservativen Politik, wofür Sie einige Zitate bringen, (Kohl/Merz) entspricht nicht unserm Selbstbild. Wir gehören nicht ins BGB 1900-Programm und auch nicht ins CDU-Programm 1983/2003. Dass Sie mein Zitat über die Einführung des Erziehungsgeldes durch SPD und später CDU durch einen Satz von Bundeskanzler a.D. Kohl "beleuchten", finde ich nicht in Ordnung.

Einige Ihrer Formulierungen sind sehr herabsetzend: Vollzeitmutti versus emanzipierte Doppelt- und Dreifachbelastete. Darin steckt wieder das blöde Klischee, dass bezahlte Arbeit zur Emanzipation führt, während unbezahlte Arbeit verdummen lässt. Ich dachte, es wäre im Gespräch mit mir hinreichend deutlich geworden, dass auch die Familientätige emanzipiert ist.

Die Tatsache, dass unsere Mitgliederzahl geschrumpft ist, reiht uns überaus würdig in die Reihe mit unseren früheren Vettern und Kusinen, den klassischen Gewerkschaften. Gleiches können Sie von Parteien, Kirchen und Männergesangvereinen sagen. Aber so, wie Sie die gesunkene Mitgliederzahl in der Zeitzeichen-Sendung platzieren, hört man Sie förmlich die Totenglocke läuten. Das verstärkt die Ausführungen von Prof. Meier, "seinerzeit" sei die Gründung vielleicht sinnvoll gewesen. Warum lassen Sie nur Frau Prof. Meier ihre Meinung sagen und nicht auch jemanden, der sagt: "Genau richtig, gut dass es die dhg gibt."

Enttäuscht bin ich auch von den Sätzen, die Sie Anne Happersberger-Lüllwitz zubilligen. Immerhin ist sie die Autorin der Ausstellung "Unbezahlte Frauenarbeit – Basis der Wirtschaft". Aus dem Interview verwenden Sie genau den Satz mit einem Versprecher… Erziehungszeit statt Erziehungsurlaub. (Das richtige Wort wäre Elternzeit gewesen.)

Ich hoffe, Sie machen mal eine Sendung mit weniger Seifenschaum – vergleichbar der Sendung des Deutschlandfunks vom 9.2. – , in der deutlich wird, dass es nicht um Berufsmuttis und -vatis geht, sondern um die Respektierung der Familienarbeit und Bezahlung und Absicherung für eine Reihe von Jahren. Was Kinder brauchen, ist ein Ort wo sie Bindungsfähigkeit entwickeln können. Was Familientätige brauchen, ist Eigenständigkeit und soziale Sicherheit, Hilfe beim "Vereinbaren", Ausgleich für familienbedingte Teilzeitarbeit, Hilfe beim Berufswechsel und vieles mehr.

Worauf sie wirklich verzichten können, ist Herabsetzung.

Freundliche Grüße
gez. Monika Bunte

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