aus der fh 1/26 von Dr. Dorothea Asensio
Dr. Anke Ballmann, Claudija Stolz
„Die Krippen-Lüge“
Unsichere Bindung, fehlende Geborgenheit – so stärken wir trotz Fremdbetreuung das Urvertrauen unserer Kinder
Goldegg Verlag | 208 Seiten, 22 Euro | ISBN 978-3-99060-524-0
Seit dem Aufruf zur Wende in der Frühbetreuung im Jahre 2020, der von über 300 namhaften Kinder- und Jugendpsychotherapeuten unterschrieben worden ist, hat leider kein tiefgreifendes Umdenken in der Fremdbetreuung für Kinder unter drei Jahren (U3 Kinder) stattgefunden.
Krippenbetreuung wird idealisiert. Eltern vertrauen nur allzu gern auf das große Versprechen, das ihnen von den Politikern und den Medien vorgegaukelt wird. Dieses Buch wagt den Blick hinter die Kulissen und beschreibt schonungslos die Wahrheit, was in den Krippen wirklich abläuft.
In die Flut von Erziehungsratgebern und Büchern für Eltern und Kita-Fachkräfte reiht sich nun dieses Buch ein mit dem provozierenden Titel: „Die Krippenlüge“.
Es wurde von zwei Frauen geschrieben, die die Missstände im Krippenwesen selbst erfahren haben.
Dr. Anke Ballmann, die Autorin des Bestsellers „Seelenprügel“ und Claudija Stolz, Mutter von drei Kindern, Traumapädagogin und Mitglied des Vorstands „Gesellschaft für frühkindliche Bindung e.V.“ beschreiben anschaulich, dass die Kleinsten dort nicht das bekommen, was sie wirklich brauchen, nämlich persönliche Nähe, Aufmerksamkeit, Ermutigung, Trost, Mitgefühl, Empathie, eben all das, was für die Entwicklung der emotionalen Sicherheit von Kindern nötig ist.
Mit viel Fachwissen, Erfahrung und Herzblut wurde dieses wichtige Buch geschrieben.
Es liest sich wie ein Krimi, denn was da beschrieben wird, fordert Antworten. Beim Lesen bekommt man das Gefühl, dass das Krippensystem, so wie es jetzt läuft, in einer Katastrophe enden wird.
Als Lösung wird vorgeschlagen, dass Kinder im Krippenalter in familienergänzenden Tagespflegestellen versorgt werden, deren Fachkräfte eng mit den Eltern zusammenarbeiten. Hier wird ausführlich beschrieben, wie Fremdbetreuung von Kindern unter drei Jahren bindungssensibel gestaltet werden kann.
An dieser Stelle fragt man sich allerdings: Bindung an wen? Bindung an die Eltern oder an die Betreuungsperson? Die Autorinnen geben selbst zu, dass ihre Vision von idealer Kleinkindbetreuung einer Quadratur des Kreises gleiche, also unmöglich zu realisieren sei.
Man vermisst auch Vorschläge, wie die unverzichtbare elterliche Erziehungsarbeit gleichberechtigt zur Fremdbetreuung gewürdigt werden kann.
Obwohl ein Krippenplatz trotz der in dem Buch ausführlich beschriebenen schlechten Qualität den Staat etwa 1200 € pro Monat kostet, bekommen die Eltern nichts, wenn sie ihr Kind selbst betreuen.
Deswegen hätte man sich von den Autorinnen des Buchs Vorschläge an die Politik gewünscht, wie die Betreuungsleistungen der Eltern gleichgestellt werden können zu den Leistungen der außerfamiliären Einrichtungen, damit Eltern tatsächlich frei wählen können, wo ihre Kinder betreut werden sollen.

