Wer das GELD hat, hat die MACHT – Ausgabe 3/2005

Geltendes Eherecht begünstigt Machtmissbrauch

Ein Beitrag von Wiltraud Beckenbach
Vor unserer Ehe waren wir beide erwerbstätig. Probleme tauchten auf, als unser erstes Kind geboren wurde. Mein Mann war nicht bereit, die Belange und Bedürfnisse der
Familie seinen beruflichen Interessen gleichzustellen. Der Beziehungsaufbau zum Kind wurde für ihn zum Karrierehindernis, zum "Klotz am Bein". Verabredungen, Absprachen, Termine, die Familie betreffend, hielt er selten ein.

Er machte sich beruflich selbständig. Am Anfang der Geschäftsgründung trug die Familie die wirtschaftlichen Risiken und sozialen Folgen mit. Den Wunsch nach Gütertrennung zum Schutz unseres Hauses lehnte er ab. Ich unterstützte ihn durch Mitarbeit in Form von Kundenbewirtung, Botenfahrten, Telefondiensten, Firmenraumgestaltung und -pflege, und indem ich die Kinder weitgehend von ihm fern hielt.

Es war eine Zeit der Existenzängste. Wir hatten hohe Schulden. Wirtschaftsgeld wollte er nur dann zahlen, wenn er gerade "flüssig" war. Die Firmenräume wurden anfangs vom Familiengeld finanziert, d.h. er telefonierte auf Privattelefon und nutzte für Firmenausgaben das Ehekonto. Es kostete mich viel Mühe, dass er wenigstens die Nebenkosten aus dem Firmeneinkommen bezahlte.

In dieser Zeit hatte ich die gesamte Verantwortung für wirtschaftliche und soziale
Organisation und Verwaltung. Ich erstellte anfangs noch die Einkommensteuererklärung.

Je besser es der Firma ging, umso geringer wurde seine Verantwortung für die Familie. Als sich Erfolge und Sicherheit im Unternehmen abzeichneten, wollte er plötzlich Gütertrennung. Die Gründe dafür sagte er mir nicht, die Offenlegung unserer wirtschaftlichen Situation lehnte er ab. Ich sollte nur noch für sein Harmoniebedürfnis und seine Ruhe zuständig sein. über Gelddinge konnten wir nicht mehr reden. Ich weigerte mich, die Einkommensteuer-Erklärung blind zu unterschreiben. Daraufhin fälschte er meine Unterschrift. Auch in anderen Fällen, wie ich später herausfand.

Luxus in der Firma – Mangel in der Familie

Die Firma schwamm in Luxus. Teure geschäftliche Geschenke, Geschäftsessen und
-urlaube standen im krassen Gegensatz zu der Mangelverwaltung im Familienhaushalt. Er kaufte einen Firmenwagen, der mehr kostete als unser Haus.

Ich versuchte durch Gemüseanbau, Nähen von Kleidung, Möbelbau und Hausrenovierung die wirtschaftliche Situation der Familie abzufangen. Ohne Erfolg. Nach 20 Jahren hatte ich die gleiche Summe als Wirtschaftsgeld zur Verfügung, wie bei Familiengründung, obwohl die Kaufkraft z.T. um 300% gesunken war. Als er mir kein Geld zum Kauf von Brennstoff gab, nahm ich einen Kredit zur Deckung der fehlenden Summe zum Leben auf. Jedes Gespräch zur Klärung dieser Misere wurde verweigert.

Eine Erwerbsarbeit konnte ich nicht aufnehmen, da ich durch die beiden Kinder und den enormen Sparzwang mehr als ausgelastet war und inzwischen auch gesundheitlich schwer geschädigt bin.

Ich ging zu einer Anwältin und wollte mit ihrer Hilfe ausreichendes Wirtschaftgeld einklagen. Sie sah dafür jedoch keine Rechtsgrundlage. Das wäre gleichbedeutend mit
einer Scheidung. Ich solle die Finger davon lassen. Aufgrund meiner Biografie drohe mir eine persönliche wirtschaftliche Katastrophe. Ich solle mir ein dickes Fell zulegen, Stillhalten und Dulden, – eben alles verwahrlosen lassen.

Die Situation war und ist unerträglich, ich bin an Leib und Seele ruiniert. Nichts geht mehr. Besonders schlimm für mich ist, dass die Söhne kein Vertrauen mehr zu mir haben und respektlos sind. Gegen das Verhalten ihres Vaters gehen sie nicht an.

Warum habe ich mir das alles gefallen lassen?

Mangelndes Selbstbewusstsein kann es nicht gewesen sein, denn gerade mein Selbstwertgefühl war es, was seine Abwehr vergrößerte. Ein Teufelskreis. Auch gab es Augenblicke der Hoffnung. Hinzu kommt, dass Ehe und Kinder für mich eine vollwertige Aufgabe sind. Um erwerbstätig sein zu können, hätte ich die Kinder weggeben müssen.

Heute habe ich vieles verdrängt und vergessen, vor allem mit Hilfe von Medikamenten. Meine Gesundheit ist aufgrund dieser Ehe für immer ruiniert. Die finanzielle Gewalt des
Erwerbstätigen hat somit auch Folgen für das Gesundheits- und Sozialsystem.

Ehemann auf dem Papier arm

Mein Mann hat sich inzwischen auf dem Papier so arm gemacht, dass ich auch noch um das Haus fürchten muss. Rente habe ich kaum zu erwarten, es wurden nur Mindestbeiträge eingezahlt. Den hohen Lebensversicherungen stehen fast genauso hohe Schulden gegenüber und die werden im Zugewinnausgleich abgerechnet. Mit meinem "Zugewinn" werde ich kaum die Scheidungskosten begleichen können. Das Haus werde ich als zukünftige Sozialhilfeempfängerin nicht behalten dürfen und ohne Einkommen kann ich es auch nicht halten. Erwerbsarbeit bekomme ich nicht.

Das geltende eheliche Güterrecht, wonach das Einkommen dem Erwerbstätigen gehört und der bzw. die Andere nur Ansprüche hat, zerstört Ehe und Familie, den Partnerschafts- und Solidaritätsgedanken. Es gibt die Geldmacht allein demjenigen, der für seine Arbeit bezahlt wird.

Meine Arbeit in der Familie, die das Einkommen direkt und indirekt miterwirtschaftet hat, wie es ja das Ehegattensplitting zum Ausdruck bringt, gilt nichts. Sie gilt erst nach dem Scheitern der Ehe etwas, wenn es mir nichts mehr bringt. Dann wird das in einer Ehe wirtschaftlich Erworbene zu Recht als gemeinsam erwirtschaftet anerkannt, und es wird über den Zugewinn- und Versorgungsausgleich berücksichtigt. Die Höhe des Zugewinns ist allerdings von der Geldverteilung während der Ehe abhängig, also von Gutwilligkeit und Fairness des erwerbstätigen Partners.

Gesetzgeber auf der Seite des finanziell Stärkeren

Die Inkonsequenz des Gesetzgebers gegenüber der Familienarbeit wirkt sich negativ auf das Zusammenleben aus und führt in vielen Fällen zum Scheitern von Ehe und Familie. Das kann nur verhindert werden, wenn die Ehe als Wirtschaftsgemeinschaft eine konsequente Rechtsgrundlage bekommt. Unser Verband fordert schon seit vielen Jahren:

Das in der Ehe erwirtschaftete Geld muss während der Ehe beiden gemeinsam gehören.

Erlebt hat dies ein Mitglied unseres Verbandes, das nicht genannt werden will.

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