Vereinbarung von Familien- und Erwerbsarbeit – Situation der Frauen im Kongo

"Vereinbarung von Familie und Beruf – eine Herausforderung für die Gesellschaft" , war das Thema der Mitgliederversammlung von MMM, die im Juni 2005 in Madrid stattfand.

Ein Referat von

Ines Feviliye, Generalsekretärin von MMM Brazzaville (Congo)
DIE MüTTERBEWEGUNG FüR FRIEDEN, SOLIDARITäT UND ENTWICKLUNG AUS BRAZZAVILLE IM KONGO macht eine Untersuchung zu diesem Thema und
präsentierte die ersten Ergebnisse:

Einleitung

Im Brazzaville/Kongo verbietet der Arbeitskodex einer Frau, ohne die Erlaubnis ihres Mannes berufstätig zu sein. Der Familienkodex setzt den Mann als Familienoberhaupt ein; allerdings muss er die Verantwortung für den Familienunterhalt tragen.

Obwohl Diskriminierung am Arbeitsplatz verboten ist, werden Frauen mit moralischen und sexuellen Belästigungen konfrontiert. Der starke Einfluss afrikanischer Tradition zwingt die Frau, die Hauptlast der Familienverantwortung zu tragen.

Die Situation einer Frau im Kongo ist sehr verschieden und hängt davon ab, ob sie in der Verwaltung, in privaten Firmen oder kleinen Geschäften (auf dem Markt, in der Landwirtschaft) arbeitet.
Wir haben die Interviews vom 11.-18. Mai 2005 mit 100 Frauen aus allen Bereichen der kongolesischen Gesellschaft ausgewertet:

– 25 Frauen, die in Marktgärtnereien am Rande Brazzavilles arbeiten
– 25 Frauen, die in den Distrikten 2 und 3 von Brazzaville Produkte verkaufen
– 25 Frauen, die Staatsbeamte sind
– 25 Frauen, die im privaten Bereich arbeiten

Wir wollen bis Ende 2005 1000 Frauen und auch Männer interviewen, um ihre Meinung zu hören und zu analysieren. Eine Lösung zu finden, wie die Arbeit zu Hause und ein Job zu vereinbaren sind, hat für die Zukunft der Nation Priorität, weil es eine direkte Auswirkung auf die Betreuung und Erziehung der Kinder hat.

Wir haben einen Fragebogen mit 27 Fragen entworfen, der alles betrifft, vom Alter der Person bis zu deren Familiensituation, Zahl der Kinder und anderen Abhängigen, Erwerbstätigkeit, Arbeit des Mannes falls zutreffend, die tägliche Organisation des Haushalts, Freizeitaktivitäten, bestehende Schwierigkeiten, etc.. Diese Indikatoren ermöglichten es uns, die Lage einer repräsentativen Gruppe kongolesischer Frauen zu untersuchen und zu verstehen.

1. Alter der Mütter

Das Durchschnittsalter der befragten Frauen war 43 (im Land = 21; Lebenserwartung = 53. AIDS hat ungeheure Auswirkungen.) Das Alter der Mutter ist ein entscheidender Faktor. Wenn sie unter 40 ist, hat sie noch junge Kinder, so dass ihre Beschäftigungen andere sind als bei den Frauen über 50. Trotzdem trafen wir Grossmütter an, die immer noch auf den Feldern arbeiteten und nicht nur die alleinigen Ernährer für 3 Generationen waren, sondern auch noch die kleinen Kinder zur Schule bringen mussten.

2. Haushaltssituation

Das Fehlen von Elektrizität und fließend Wasser ist einer der Hauptursachen für die täglichen Probleme der Mütter (auf einem Holzfeuer kochen, etc.).

3. Familiensituation

43% der befragten Mütter waren verheiratet. Frauen spielen als Mütter und als Erwerbstätige eine entscheidende Rolle in der Familie. Neben der Kinderbetreuung müssen Mütter ihre Männer und Verwandten versorgen – besonders ihre Schwiegermutter. Alleinstehende Frauen haben diese Verpflichtungen nicht.
35% der befragten Frauen haben einen erwerbstätigen Ehemann – dies ist eine finanzielle Hauptunterstützung. Mütter haben im Durchschnitt vier Kinder. Die Anzahl der Menschen, die in einer Großfamilie unter der Obhut der Frauen steht, war sieben, konnte aber bis zu 19 sein. Diese Abhängigen (senken) dramatisch die Kaufkraft ihrer Gastfamilien und ziehen eine ganze Familie in die Armut.
65% der Mütter sind zur Schule gegangen. Vor dem Krieg von 1997 war 100% die Norm gewesen für Kinder, die Schulbildung bekamen, nun geht es bergab.

4. Organisation und Management der Familie

Die meisten der befragten Mütter konnten sich keine bezahlte Hilfskraft leisten, was ihre Lebensqualität sehr gesteigert hätte. Grosse Sippen dürfen mit einiger Hilfe ihrer Mitglieder rechnen – diese ist aber relativ gering. Die befragten Mütter waren sich fast einstimmig einig, dass sie keine Hilfe vom Ehemann oder den Verwandten bekommen. 25% der Frauen stellten einen Hauslehrer ein – dies wurde als große Hilfe bei der Kinderbetreuung empfunden. Freizeitaktivitäten gibt es so gut wie gar nicht für alle befragten Mütter.

5. Erwerbsarbeit

Im Durchschnitt arbeiten Mütter 7-14 Stunden. Bei denjenigen, die Nahrungsmittel anbauen, hängt die Anzahl der Stunden von Sonnenaufgang und -untergang ab. Arbeitsprobleme beeinflussen das Leben der Frauen: Themen wie Landverteilung, Fehlen von Marktständen und Ausbildung.

6. Methoden zur Vereinbarung von Arbeit zu Hause und im Beruf

Mütter, die keine bezahlte Hilfskraft haben, organisieren ihre Zeit so gut es geht, um ihren Verpflichtungen nachzukommen: Haushalt, Kinder, Kochen, etc.. Ehemänner, die auf irgendeine Art helfen, sind sehr selten.

7. Schwierigkeiten bei der Vereinbarung

Die Verbesserung der Lebensverhältnisse von Frauen ist für die ökonomische Entwicklung lebensnotwendig: ein paar private Firmen und Büros bieten Betreuung für Babies und Kleinkinder an oder geben Geld für Jugendclubs oder Ferien für ältere Kinder. Was die Befragten am meisten erwähnten, war das Fehlen täglicher Hilfe und die Tatsache, dass ihr niedriges Einkommen sie daran hindert, ihre Zeit besser zu organisieren. Alle Mütter sprachen von ihrer Erschöpfung und Anspannung, was wiederum die Familien trifft.

8. Was Mütter sich zur Vereinbarung wünschen

Manche Mütter, besonders die in der schlecht bezahlten Landwirtschaft, möchten besser entlohnt werden, damit es ihren Familien besser geht, und sie meinen, dass die Regierung Ausbildungskurse und Unterstützung für Familienverpflichtungen anbieten sollte.

Ergebnis: Ein Treffen der befragten Frauen organisieren

Das Ergebnis dieser Interviews war, dass wir ein Treffen mit einigen der befragten Mütter organisierten: 10 Landarbeiterinnen, 10 aus dem Verkaufssektor, 10 aus dem Privatbereich und 10 Behördenangestellte. Es gab ihnen die Gelegenheit, sich kennen zu lernen, über die eigene Situation zu sprechen, ihre Meinungen und Erfahrungen auszutauschen.
Bei diesem Treffen betonten die Mütter die Notwendigkeit für zwei Initiativen:
1.) ein besseres städtisches Verkehrssystem, weil dies als eine wichtige Ursache für Schwierigkeiten beim Organisieren des täglichen Lebens erlebt wird.
2.) Kinderbetreuung in den Schulferien

(übersetzung: Julia Berendsohn, April 2006)

Der Verband der Familienfrauen und -männer e.V. ist Mitglied bei MMM – der Weltmütterbewegung.
www.mouvement-mondial-des-meres.org/

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