„Das Eva-Prinzip“. Für eine neue Weiblichkeit – Fh 2006/4

Eva Herman, Das Eva-Prinzip. Für eine neue Weiblichkeit. Pendo Verlag (2006) ISBN 3-86612-105-9. 260 SeitenPreis: 18.00 Euro

Buchbesprechung von Gertrud Martin

Endlich wurde dieses Buch geschrieben! Und das von einer Autorin, die bemerkt und gehört wird. Allerdings erfahren Menschen, die schon seit 40 Jahren ebenso mühsam wie vergeblich versuchten, die Defizite einer einseitig praktizierten „Gleichberechtigung“ ins öffentliche Bewußtsein zu bringen, in diesem Buch nichts Neues:
Unsere Gesellschaft erkaltet durch weitgehendes Kappen der zwischenmenschlichen Beziehungen vor allem in der „Keimzelle Familie“, verursacht durch die Erwerbstätigkeit beider Elternteile in einer globalisierten Arbeitswelt.

„Sehr gut analysiert“, denkt frau beim Lesen und wartet auf den springenden Punkt, d.h. die Quintessenz weiter hinten im Buch. Da ist aber leider Fehlanzeige: Nach der Einleitung gibt es keinen Hauptteil. Auf der letzten Seite heißt es: „Für die Menschen, die in unser Leben gehören, müssen wir Gespür und Sorgfalt entwickeln, mit aller Entschlossenheit. Wir lernen zu geben, ohne Anspruch auf Bezahlung. Und wir erfahren, was Demut bedeutet, Zugewandtheit, Nähe, innige Liebe und vor allem Treue …“ Na ja!

Nichts davon, dass diese Form weiblicher Existenz normalerweise mit Arbeit verbunden ist. Sicherlich hat die Autorin für ihr einziges Kind nur selten einen Kuchen gebacken, gesund gekocht, gewaschen, gebügelt, Hausaufgaben beaufsichtigt, Chauffeursdienste geleistet etc. Warum auch, verdient sie doch „nebenbei“, trotz mehrfach durchlebten Scheiterns ihrer Ehen, genug eigenes Geld, um all dies anderweitig einzukaufen. Anders sähe es aus, wenn Frau Herman z. B. fünf Kinder zu versorgen und zu erziehen hätte, so wie sie es sich angeblich wünschte, wenn sie noch einmal zu entscheiden hätte.

Anzumahnen ist also der 2. Band des Eva-Prinzips: „Das Prinzip der Gleichwertigkeit“, in dem die Defizite des real existierenden Feminismus aufgezeigt und zu deren Korrektur aufgefordert wird: Die häusliche Erziehungsarbeit ist endlich de facto und nicht nur in Sonntagsreden als der außerhäuslichen Erwerbsarbeit gleichwertig anzuerkennen und zu entlohnen. Die von Natur aus verschiedenen Rollen von Mann und Frau sind nicht durch Hirnwäsche der political correctness einseitig auf männlich zu polen, sondern in ihrer Verschiedenheit als für unsere Gesellschaft auch volkswirtschaftlich gleich wertvoll und bestandssichernd zu veranschlagen. Erst durch eine solche Gleichstellung wird es für Mann und Frau möglich, nach Bedarf und eigenem Empfinden die Rollen zu tauschen, ohne dass der Arbeitsplatz „am Herd“ und die Kinder verwaisen.

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