„Babyfreundlich“ fördert Bindung zwischen Mutter und Kind

Babyfreundliche Krankenhäuser verstärken die Bindung zwischen Mutter und Neugeborenem durch die Förderung des Stillens. Dadurch werden Kinder langfristig vor Vernachlässigung und Missbrauch geschützt.

Politisch geforderte "Frühwarnsysteme" vor Kindesmisshandlung müssten durch diese präventive Praxis der Festigung der Eltern-Kind-Bindung in Babyfreundlichen Geburtskliniken unterstützt werden.

Darauf wies Dr. Michael Abou-Dakn, Erster Vorsitzender der WHO/UNICEF-Initiative Babyfreundliches Krankenhaus, anlässlich der internationalen WHO/UNICEF-Konferenz der "Babyfriendly Hospital Initiative" hin.

60 Experten aus 40 Ländern und Repräsentanten der Weltgesundheitsorganisation WHO und des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen UNICEF treffen sich zu der viertägigen Konferenz, um das Konzept "Babyfreundlich" zu optimieren und an aktuelle Erfordernisse anzupassen. "Babyfreundliche Krankenhäuser fördern und schützen in erster Linie die Bindung zwischen Eltern und Kind. Das Entstehen dieser Bindung nennen wir „BondingŽ. Das Stillen ist eine natürliche Folge eines gelungenen „BondingsŽ. Nach aktuellen Untersuchungen entsteht in unseren Krankenhäusern eine stärkere Mutter-Kind-Bindung als in herkömmlichen Geburtskliniken", betonte der Chefarzt im St. Joseph Krankenhaus in Berlin. Berichte aus mehreren Ländern bestätigten, dass die babyfreundliche Geburtshilfe den Zusammenhalt zwischen Mutter und Kind tatsächlich verbessere. Entscheidend dafür seien die ersten Lebensstunden und die ersten drei Tage. "Die "beste Praxis" im Sinne von "Babyfreundlich" hat nachweislich einen positiven Effekt auf das Entstehen der Mutter-Kind-Bindung. Dies schützt das Kind nachhaltig und langfristig vor Missbrauch, Vernachlässigung und Aussetzung", unterstrich Dr. Abou-Dakn.

Die Vorteile des Stillens seien in Deutschland ausreichend belegt, aber die positiven Auswirkungen eines gelungenen Bondings noch nicht genügend bekannt. Die Folge sei, der Bindungsförderung in Geburtskliniken werde nicht ausreichend Aufmerksamkeit geschenkt, die Trennung von Mutter und Kind nach der Geburt gehöre immer noch zur Routine in deutschen Kliniken.

"Babyfreundliche Krankenhäuser führen eine Vielzahl von Leistungen zu einem ganzheitlichen Betreuungskonzept zusammen von der Schwangerenvorsorge bis zu Beratungsangeboten nach der Entlassung". Man vermeide Routine, die das erste Kennenlernen von Eltern und Kind beeinträchtigen könne. Mütter würden dazu angeleitet, die Signale ihrer Kinder zu verstehen und feinfühlig darauf zu reagieren.

"Unsere Kliniken begleiten Eltern auch in den ersten Monaten mit dem Kind. Die Angebote werden vernetzt mit Unterstützungsangeboten außerhalb des Krankenhauses, so dass eine wirksame Betreuung gewährleistet ist", sagte der Chefarzt.

Mehrere Bundesländer wollten mit der Einführung von Pflichtuntersuchungen Kindesmisshandlung frühzeitig aufdecken. Diese Frühwarnsysteme müssten durch Prävention sinnvoll ergänzt werden. "Kinder können vor Misshandlung bewahrt werden, indem die Eltern-Kind-Bindung gestärkt wird. Genau das geschieht in Babyfreundlichen Krankenhäusern", betonte der Chefarzt. Internationale Studien belegten die Wirksamkeit des Betreuungskonzeptes "Babyfreundlich". Damit gewinne die "Babyfriendly Hospital Initiative" auch für Industriestaaten an Bedeutung. "Die Stadt Berlin hat dabei die Vorreiterrolle übernommen: Das Aktionsbündnis Kinderschutz des Sozialsenates hat den vorbeugenden Effekt von "Babyfreundlich" erkannt und plant, alle Geburtskliniken in Berlin nach dieses Standard zu gestalten. In der Bundesrepublik ist dies bislang einzigartig", hob Dr. Abou-Dakn hervor.

Von den rund 900 Geburtskliniken bundesweit seien jedoch erst 29 als babyfreundlich anerkannt. Bereits 2004 habe Deutschland einen EU-Aktionsplan unterzeichnet, der die Unterstützung der WHO/UNICEF-Initiative vorsehe. Es sei höchste Zeit, dass die Politik jetzt konkrete Maßnahmen folgen lasse. "Unser Anliegen an die Gesundheitspolitiker lautet daher: Etablieren Sie das hohe internationale Niveau der Babyfreundlichen Krankenhäuser auch in Deutschland als nationalen Qualitätsstandard in der Geburtshilfe! Lassen Sie uns die vielfältigen Vorteile von "Babyfreundlich" zu einem flächendeckenden wirkungsvollen Schutzschild vor Vernachlässigung und Missbrauch machen. Retten Sie so Kinderleben in Deutschland. Dies ist eine Perspektive für die Zukunft", betonte der Erste Vorsitzende abschließend.

"Kindesaussetzung gab es in der früheren Sowjetunion und gibt es dort noch heute. Stress, Armut und die steigende Anzahl von HIV-Infektionen verstärkt die Einstellung, der Staat könne unter diesen Umständen am besten für Kinder sorgen", erklärte Dr. Sanjiv Kumar, Regionalbeauftragter von UNICEF. "Babyfreundlich beweist die Wichtigkeit der Mutter-Kind-Bindung, des Stillens und der Unterstützung junger Familien", betonte er.
Randa Saadeh von der Weltgesundheitsorganisation WHO unterstrich, dass die Weltgesundheitsorganisation sehr stolz darauf ist, dass der hohe Standard Babyfreundlicher Krankenhäuser uns die Möglichkeit gibt, Kindern die besten Chancen für ihren Start ins Leben und für ein gesundes Aufwachsen zu bieten".

Quelle: Pressemeldung der WHO/UNICEF-Initiative "Babyfreundliches Krankenhaus" vom 19.9.2006

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