Arbeit bezahlen – nicht Erwerbslosigkeit Ausgabe 2005/2

Einkommens-Modelle für Erziehung und Pflege. Ein Vergleich

Ein Beitrag von Monika Bunte

Im Verlauf der Jahre, die unser Verband schon lebt, hat es immer wieder Presseerklärungen zum 1.Mai in seiner Funktion als "Tag der Arbeit" gegeben. Es gab auch Meldungen, dass Frauen unseres Verbandes mit Transparenten an gewerkschaftlichen Maifeiern teilgenommen hatten. Ich habe in alten Unterlagen geblättert und bin auf folgenden zehn Jahre alten Text gestoßen: "Am ersten Mai, dem traditionellen Tag der Arbeit, sollte auch Muttertag gefeiert werden (…). Dadurch würde schon rein äußerlich deutlich, dass Erwerbsarbeit und Familienarbeit gleichwertig sind."

In diesem Jahr wollen wir, passend zum Datum 1. Mai, zusammen mit anderen besonders aktiv werden. Wir unterstützen nachdrücklich das "Manifest zum 1. Mai 2005" (siehe S. 2) und laden zur Diskussion darüber ein. Der Autor des Manifests ist Hans Ludwig, der in "Familienarbeit heute" schon zweimal zu Wort kam.1

Wir haben die dhg-Gedanken zur Familienarbeit in vielen Artikeln und Vorträgen thematisiert, vor allem in dem Faltblatt "Ein Gehalt für Familienarbeit". Wir haben durch unermüdlichen Einsatz dazu geholfen, den Begriff Familienarbeit zu etablieren. Wissenschaftlich gesprochen enthält der Begriff neben der Erziehungs- und Pflegearbeit aber auch die Eigenarbeit und die Partnerarbeit. Deshalb zieht Hans Ludwig als Verfasser des Manifests den Finanzamtsbegriff "Einkommen" vor und verbindet ihn mit Erziehung und Pflege (Projekt Erziehungs- und Pflegeeinkommen, abgekürzt PEPe).

Wir haben das MAKSIME-Projekt von Elisabeth Jünemann und Hans Ludwig2 zur Diskussion gestellt und tun das auch weiterhin, indem wir auf Gemeinsames und Unterschiedliches beim PEPe und beim Gehalt für Familienarbeit hinweisen. Beide sind Existenz sichernd, beide geben Wahlfreiheit, beide gehen über die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung und Arbeitsbewertung hinaus, beide nehmen Familie und die Arbeit in der Familie wirklich ernst. Das ist viel Gemeinsames.

Das für den ersten Augenschein Trennende liegt in der Dauer. Im Manifest heißt es: das EPe wird bis zum 15.Lebensjahr eines Kindes gezahlt, zumindest ist das MAKSIME-Gutachten unter dieser Annahme durchgerechnet. Unser Verband hat immer "nur" gefordert: bis zum sechsten Lebensjahr des jüngsten Kindes. – Ich sehe die erste Zeitangabe als Maximalforderung, die zweite als Minimalforderung. Niemand ist gezwungen, im eigenen Haushalt fünfzehn Jahre lang einen Arbeitsplatz einzurichten, weder für sich selbst noch für andere.

Die zweite Auffälligkeit ist eigentlich keine Differenz, sondern eine Unschärfe. Im Manifest heißt es, die im Haushalt beschäftigte Person bekommt insgesamt nur die Bezahlung für einen Vollarbeitsplatz. Das Modell PEPe geht meines Wissens nicht weiter auf die Finanzierung der außerhäuslichen Kinderbetreuung ein und nicht auf die vielfältigen Differenzierungsmöglichkeiten bei der Betreuung. Jedenfalls ist entweder ein viertel oder ein halbes oder ein ganzes Einkommen aus Familientätigkeit da, um außerhäusliche Betreuung anders als bisher zu bezahlen.

Bei unserem Verband soll das Gehalt für Familienarbeit gezahlt werden, wenn Mutter oder Vater die Arbeit am Kind selber machen. Es soll aber auch gezahlt werden, wenn beide ihre Erwerbsarbeit beibehalten. Das Gehalt für Familienarbeit muss dann (ganz oder teilweise) weitergegeben werden, weil ja auch die Erziehungsarbeit (teilweise) delegiert wird. Also haben Mutter oder Vater geradeso
jeweils ein Einkommen wie beim Manifest. Trotzdem bleibt beim PEPe für mich die
Frage: wird es nur gezahlt, wenn die Kinderbetreuung überwiegend im eigenen Haushalt stattfindet?

Der große Vorzug des PEPe liegt darin, dass es genaue Berechnungen zur Finanzierbarkeit gibt: anfangs wird zusätzliche Staatsverschuldung hingenommen im Hinblick auf einen "Selbstläufer". Das ist in Fh 1/2003 sehr schön beschrieben und kann dort nachgelesen werden.1 – Das Manifest spricht auch andere arbeitsmarktpolitische und wirtschaftspolitische Probleme an und bietet Lösungen dazu, die wieder Licht an den Horizont zaubern könnten: wir hätten endlich weniger Erwerbslose, die sozialen Sicherungssysteme hätten wieder Einnahmen, der Finanzminister bekäme Steuern, Familien wären nicht mehr arm, weil es den Einkommensüberhang der Kinderlosen nicht mehr gäbe, wir wären auf der Maastricht-Bühne nicht mehr die ganz besonders schlechte Schauspieltruppe.

Die europäische Ebene ist wichtig für dieses Projekt, denn die zuständige Notenbank hat ein Wort mitzureden. Auf das Gespräch mit der Europäischen Zentralbank freuen wir uns schon.

Quellenangaben:
1) Fh 1/2003: "Gehalt für Familienarbeit: Lösung oder volkswirtschaftlicher Unsinn?" und Fh 1/2003 "Bezahlte Vollbeschäftigung ist möglich" sowie
1-2/2004 (Jubiläumsausgabe) "Drei-Generationen- Solidarität durch gerechte Bezahlung von
Erziehung und Pflege"
2) Elisabeth Jünemann/Hans Ludwig (Hrsg):
"Vollbeschäftigung ist möglich!", Schriftenreihe des Oswald-von-Nell-Breuning-Hauses der KEB im Kreis Saarlouis, Merzig 2002

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