Die Arbeitsleistung einer Mutter kommt Kind(ern) und Gesellschaft zugute (Fh 2011/2)

von Wiltraud Beckenbach

„Wenig für sich verbrauchen, im rechten Augenblick und hinlänglich geben, bei­zeiten Erleichterung schaffen, den Hilfsbedürftigen zuvorkommen, mit den Staatsgeldern haushälterisch umgehen, sie ordentlich und sparsam verwalten: Das sind königliche Eigenschaften, die dem Geiz wie der Verschwendung im gleichen Maße fernbleiben.“

Nach diesem Ausspruch des Alten Fritz von 1752 zu handeln würde unseren heutigen PolitikerInnen gut anstehen. Doch hier herrscht erschreckende Unkenntnis über wirtschaftliche Zusammenhänge und Werte.
So bestätigt die FDP-Europaabgeordnete Silvana Koch-Mehrin im Rahmen einer Gesprächsrunde* zwar, dass Kindererziehung Arbeit sei, diese müsse jedoch durch Steuerfreibeträge für Kinder ausgeglichen werden. Sie sei gegen eine Alimentierung, die nachweislich nicht dem Kind zugute komme und bei der keine Gegenleistung erbracht würde. Welche Elternhäuser hat sie vor Augen und wieso ist die Bezahlung von Erziehungsgeld nicht Entgelt für eine Arbeitsleistung? Wo bleibt hier die Wahrnehmung und Anerkennung des ökonomischen Wertes von Mutterschaft und Kindererziehung für unsere Gesellschaft?
Was hat die Arbeitsleistung einer Mutter mit einem Steuerfreibetrag für das Kind zu tun? Hauswirtschafterinnen, die vergleichbare Tätigkeiten einer Hausfrau und Mutter übernehmen, bekommen bei einem Zehn-Stunden-Tag, den eine Mutter mit zwei kleinen Kindern hat, ca. 2.600 Euro. Sie haben Urlaubsanspruch und arbeiten nur fünf Tage in der Woche. Steuerfreibeträge haben nichts – aber auch gar nichts – mit der Bezahlung von Familienarbeit zu tun. Ebenso kränkend ist die Unterstellung, das Geld komme nicht dem Kind zugute. Welches Familienbild liegt hier zugrunde? Im Übrigen ist Haushaltsführung laut Urteil des Bundesgerichtshofes eine der sonstigen Erwerbstätigkeit vergleichbare Tätigkeit.
Kindererziehung und ihr Geldwert wird immer dann sichtbar, wenn nicht die eigenen Eltern, sondern fremde Personen diese Aufgabe erfüllen.

Ich schäme mich für eine so unsinnige Aussage einer gut bezahlten Politikerin, die sich bereits öffentlich zu den hohen Betreuungskosten für ihre eigenen Kinder geäußert hat, also wissen müsste, welchen Wert diese Aufgabe hat.

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* Bei Maybrit Illner: „Ehe – Kinder – Scheidung-Hartz IV – Können sich Frauen Familie noch leisten?“ Fernsehsendung am 06.04.2009 im ZDF Filmausschnitt

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