Das Kind in fremden Händen

Beitragsbild: Vater mit Babytochter

aus der fh 1/26 von Barbara Effenberg

 

Ganze 185 Jahre liegt es zurück, dass Friedrich Fröbel den Kindergarten als Bereicherung für die Jüngsten der Gesellschaft ins Leben gerufen hat. Bis 1900 besuchten nur sehr wenige Kinder einen Kindergarten. Heute ist er State of the Art, er ist Normalität europäischer Kleinkinder, wird staatlich gefördert und ist in vielen Ländern verpflichtend. Das war nicht immer so. Während die DDR Müttern ihre Kinder auch 50 Stunden und mehr abnahm und damit Kinder praktisch nur noch zum Schlafen in der Familie waren, ging die westliche Welt einen anderen Weg. In den Nachkriegsjahren wurde Frauen der Platz im Haushalt zugewiesen. Die gute Mutter hatte sich aufopferungsvoll um Küche, Kinder und den Ehemann zu kümmern. In den rebellischen 60ern und 70ern lockerte sich dieses Bild etwas auf. Frauen blieben allerdings mehrheitlich zuhause bei Haus, Hof, Hund und Nachwuchs. Den Kindergarten besuchten nur arme Kinder im doppelten Sinn, deren Mütter aus Geldmangel arbeiten und fremdbetreuen lassen mussten oder sich nicht kümmern wollten oder konnten. Die Durchschnittsfamilie nutzte den Kindergarten erst kurz vor Schulbeginn. Die meisten Kinder wurden mittags abgeholt. Dieses Familienbild wird heute als traditionell bezeichnet. 2025 dürfen und sollen Frauen alles. Im Zuge der Gleichbehandlung passen nun Schwangerschaft, Kinder, Erwerbstätigkeit, Haushalt und Carearbeit unter einen Hut und der ist weiblich. Institutionelle Kinderbetreuung ist dadurch keine Ergänzung des Familienlebens mehr, sondern notwendiger Ersatz. In vielen Familien geht es nicht mehr anders.

Die Mutterrolle und die Vorstellung von Familie unterliegt Modeerscheinungen und gesellschaftlichem Wandel. Wie konnte es aber so rasch passieren, dass sich aus der Selbstverständlichkeit tragender, nährender und selbstbetreuender Mütter in nur 100 Jahren ein Wirtschaftszweig entwickelte, der staatlich organisiert Kleinkinder und sogar Babys in eigens dafür geschaffenen Einrichtungen durch Fremde betreut? Aus der Sicht einer Frau von damals am Feld mit Baby auf dem Rücken mutet das futuristisch und unnatürlich an. Würde man ihr einen Film über die Eingewöhnung in einer Kindertagesstätte zeigen, wäre sie wahrscheinlich entsetzt. Wie Science Fiction wirkt es, jungen Müttern ihre Kinder zu entreißen, um die Frauen dann in Fabriken und Großraumbüros zu stecken, damit sie Geld verdienen können für Essen, Autos, Wohnraum und alles, was heute für das Leben nötig ist. Die Zeiten haben sich gewandelt und der Fortschritt und die Vorteile für alle sind nicht von der Hand zu weisen. Die Kindersterblichkeit ist so niedrig wie niemals zuvor, der Alltag ist bequem geworden. Viele Familien leben in dem, was der Rest der Welt als Luxus bezeichnet. Der Preis dafür ist hoch und noch kann niemand die Folgekosten dieser radikalen Institutionalisierung der Kinderbetreuung in frühen Jahren abschätzen. Klar ist aber, dass dieser Weg von ganz oben verordnet wird, er ist gewollt. Im Jahr 2002 beschloss die Europäische Union die Barcelona-Ziele, mit der klaren Absicht die Erwerbstätigkeit von Frauen zu steigern, durch massive Ankurbelung der frühkindlichen und ganztägigen Betreuung außerhalb der Familie. Angeblich eine Maßnahme zur Förderung der Geschlechtergerechtigkeit. Zeitlich fällt sie zusammen mit der Notwendigkeit, die Wirtschaft anzukurbeln. Das staatliche Marketing bewirbt die Schritte allerdings als Förderung für Kleinkinder und Kinder.

Klar ist, dass alle Beteiligten unterschiedliche Intentionen hegen. Der Regierung geht es um die Wirtschaft. Gerne betont sie auch den Bildungsauftrag. Eltern erwarten sich vom Kindergartenbesuch freie Zeit oder Zeit für Erwerbstätigkeit. Pädagogen wünschen sich einen krisensicheren Job mit guten Arbeitsbedingungen. Doch was erwarten Kinder und was erwartet sie in der institutionellen Gruppenbetreuung? Werfen wir einen Blick hinter die Kulissen, in die Realität abseits der Werbeplakate und Imagefilme.

Betrachtet man junge Eltern, die momentan Zielgruppe aller Bemühungen sind, ihre Kinder nicht zuhause zu betreuen, wird deutlich, dass die Generation Z mit Kindergartenkonzepten, wie sie heute Standard sind, wenig anfangen kann. Viel mehr Menschen als noch zehn Jahre zuvor gehen ihrer Erwerbstätigkeit nicht mehr innerhalb der klassischen Kernarbeitszeit von 8 bis 17 Uhr nach. Eltern junger Kinder arbeiten flexibel, von zuhause aus oder zu anderen Uhrzeiten als ihre Mütter und Väter. Waren es früher nur die Krankenschwestern und Flugbegleiterinnen, die mit Schließzeiten von Kindergärten Probleme hatten, ist es mittlerweile die Mehrheit aller Mütter. Personal Trainer, Life Coaches, Kunstpädagoginnen und Influencerinnen werden von den Entscheidungsträgern im Land nicht gesehen. Die Zeiten haben sich rasant geändert, die Institutionen im Vergleich kaum. Noch immer ist Kinderbetreuung in Familien aber Frauensache, das sagt die Statistik. Die Bemühungen, das zu ändern sind halbherzig. Trotz allem hätten sie zumindest teilweise Wirkung zeigen können. Das ist aber nicht der Fall. Aus meiner Erfahrung als Psychologin und Pädagogin liegt das zum größten Teil an etwas, das die Politik in all den Jahrzehnten übersehen hat: Mütter wollen Zeit mit ihren Kindern verbringen. Eventuell liegt diese Betriebsblindheit daran, dass Politik noch immer hauptsächlich männlich ist. Eine Frau, die ein Kind neun Monate ausgetragen hat, es unter Schmerzen auf die Welt gebracht hat, sich in Stillzeit und Babyzeit gebunden hat und ihr Kind mehr liebt als ihr eigenes Leben, möchte es eventuell nicht zum ersten, zweiten oder dritten Geburtstag in fremde Hände geben. Loslösung ist ein Prozess von beiden Seiten. Für eine Eingewöhnung im Kindergarten, braucht es zwei Menschen, die dafür bereit sind. Die Natur hat es glücklicherweise so vorgesehen, dass Mütter das Wohl ihrer Kinder über alles stellen. Wann dieses Duo bereit ist, sich voneinander zu lösen, kann von außen niemand bestimmen. Wer Bindung bricht, weil die Karenz endet und die Mutter arbeiten muss, verletzt beide. Die Folgen sind auf Seiten des Kindes Verlust des Urvertrauens, Entwicklungsrückschritte bis hin zu psychischen Problemen wie Einnässen und Schlafstörungen. Frauen stürzen Loslösungen vor der Zeit nicht selten in Krisen, in Burnout, in Bindungsprobleme mit dem Kind und völlige Abneigung, ein weiteres Kind in die Welt zu setzen. Was sich Kinder also wünschen würden, wäre mit Sicherheit Geduld auf Seiten des Gesetzgebers, damit es eine Ablösung zum passenden Zeitpunkt geben kann und keine gewaltsame Trennung mit oft schweren Folgen. Junge Kinder müssen erst einmal ihren Platz in Familie und Gesellschaft finden, sie brauchen Stabilität, Sicherheit und Förderung in Geborgenheit. Wenn es all das im Zuhause gibt, ist es genau jener Ort, an dem das Kind diese Lektionen lernen sollte, solange Mutter und Kind sich das wünschen.

So gerne die politischen Entscheidungsträger und pädagogischen Fachkräfte die eine und einzige Strategie für das Dreijährige oder Vierjährige finden wollen, so unsinnig ist das bei näherer Betrachtung. Es kann keine ideale Aufbewahrung für Kleinkinder geben, selbst wenn alles Geld der Welt in diese Bemühungen fließen dürfte. Ursache dafür ist in erster Linie die Tatsache, dass jedes Kind ein Unikat ist. Man sollte keine zweijährige, noch nicht diagnostizierte Autistin mit einem hochbegabten Gleichaltrigen und einem schüchternen Altersgenossen vergleichen und Fremdbetreuung erzwingen, weil das Geburtsdatum das verlangt. Es gibt auch in diesem Alter Social Butterflys, die jeden Tag neue Kontakte brauchen, es gibt Bewegungstalente, die nicht still sitzen können und es gibt Kinder, die mit genau demselben Geburtsalter ihre Mama noch brauchen, damit Entwicklung überhaupt möglich wird. Jedes Kind ist einzigartig. Ihr gemeinsamer Nenner ist nur ihr Alter. Für Gesetzgeber und Behörden steht es im Mittelpunkt, sie sehen nur die eine Gemeinsamkeit, als wären diese jungen Menschen Maiskörner und würden einander gleichen, wie ein Ei dem anderen. Gibt man Maiskörner allerdings zugleich in einen Topf mit heißem Öl, springen sie trotzdem jedes zu seinem eigenen Zeitpunkt auf zu Popcorn. Wie es nicht den einheitlichen Zeitpunkt für den Schulstart geben kann, so gibt es ihn auch nicht für den Start in Kindertagesstätten und Kindergärten. Diese Einrichtungen sollten Angebote sein für Familien, die bereit dafür sind und einen Sinn darin sehen. Derzeit wandeln sie sich mehr und mehr zum Pflichtprogramm für alle. Betreuungsinstitutionen werden forciert oder sogar gezwungen ihre Prinzipien und Regeln Kindern überzustülpen, für die es zu früh ist und die unter dieser Last zusammenbrechen. Pädgoginnen und Pädagogen berichten von immer mehr schwierigen Eingewöhnungen. Die Schützlinge werden immer jünger. Das belastet das System, denn es ist weder auf so viele Wickelkinder ausgelegt, noch auf Kinder, die selbst einfachste Alltagstätigkeiten noch nicht beherrschen. Gleichzeitig scheinen Evaluations- und Dokumentationsbögen wichtiger geworden zu sein als die Arbeit mit den Kindern.

Kleinkinder brauchen noch so viel. Sie haben gerade erst begonnen, ihren Rucksack mit Proviant zu füllen mit allem was es braucht, um später in ein erfülltes und erfolgreiches Leben zu starten. Lässt man Kindern Zeit dafür, dauert dieser Prozess Jahre. Zuerst startet er zuhause, dann wird der Radius erweitert, immer mehr Erfahrungen werden gesammelt. Der neue Erdenbürger kommt dadurch in seiner Welt an, die er später einmal prägend mitverändern wird. Frühe Fremdbetreuung in großen Gruppen stört diesen Prozess. Er torpediert das Vertrauensverhältnis zu den Eltern, die das Kind abgeben und in den Rucksack wird nun gepackt, was der Kindergarten bereithält, nicht mehr die Familie. Das ist so manche Überraschung und unerwünschter Ballast. Wer zuhause ruhig und sicher geschlafen hat, wenn er müde war, muss das plötzlich in der Betreuungseinrichtung auf Matratzen am Boden, zur festen Uhrzeit, zwischen rund zwanzig schnarchenden und weinenden Gleichaltrigen machen. Wer bisher in Frieden gelebt hat, wird nun ab und zu unerwartet gezwickt, gekratzt oder gebissen. Die meisten Kleinkinder sehen das nicht kommen, können sich nicht wehren und sich die Situation nicht erklären. Besonders sensible junge Menschen oder solche mit hohem Gerechtigkeitsempfinden kommen dadurch in überfordernde Zwangslagen. Trost, den es von der Hauptbezugsperson bräuchte, gibt es nicht, denn sie ist weit weg.

Wer das erlebt, nimmt den Kummer mit nach Hause. Berichten können Kinder oft nicht davon, weil ihnen die sprachliche Kompetenz fehlt oder sie ihre Stimmung nicht mit dem Ereignis in Verbindung bringen können, wenn sie erst zuhause sind. Kindergarten ist schön, aber auch grausam. Wer das nicht aushält, schläft nicht mehr gut, reagiert aggressiv nach dem Abholen oder verweigert, in der Früh das Haus zu verlassen. Erfahrungen wie diese wandern in den Rucksack, das Kind nimmt sie mit, ein Leben lang. Wie große Steine bilden diese Erlebnisse nun die Grundmauern, auf denen der junge Mensch später sein Haus des Lebens errichten wird. Gibt es in dieser Zeit statt unbeschwerter Kindheit schon Sorgen und Nöte, ist diese Grundmauer voller Lücken und brüchiger Steine. Dann können Mauern und Dach in späteren Jahren noch so hochwertig sein, das Haus wird nie stabil stehen. Frühkindliche Eindrücke prägen viel stärker als spätere Erlebnisse. Es geht nicht darum, sein Kind unter einem Glassturz aufzuziehen, aber grobe Verletzungen und Überforderungen haben nichts in der Kindheit zu suchen. Ihren Nachwuchs davor zu beschützen, gehört zu den Kernaufgaben jeder Elternschaft. In institutioneller Betreuung ist das selbst bei hoher Qualität schwer zu gewährleisten. Heute werden das Recht auf Intimität und der Schutz des eigenen Körpers großgeschrieben. Ein Kleinkind in Betreuung ist aber darauf angewiesen, sich beim Wickeln oder Gang zur Toilette von Pädagogen, Pädagogenhelfern und Aushilfskräften im Intimbereich berühren zu lassen. Dass Kinder das nicht stört, ist ein großer Irrtum. Viele haben noch Jahre später Probleme mit der Erinnerung daran und Folgeprobleme bei Körperwahrnehmung und Wahrung von Grenzen. Es handelt sich um eine Erfahrung, die nicht stattfinden sollte, die in Kindertagestätten aber nicht zu verhindern ist.

Ganz ähnlich verhält es sich mit dem Essen, das noch immer an fixe Zeiten gebunden ist, schließlich sollen die Kinder nicht draußen Hunger bekommen oder während alle im Bewegungsraum turnen. Gelegentlich werden deshalb noch immer Kinder zum Essen gezwungen. Elementarpädagogen selbst berichten von solchen Vorfällen. Oder Kinder bekommen nichts, weil sie nicht schnell genug oder nicht brav genug waren. Das Kind isst also ohne Hunger oder bleibt hungrig. Wer bis Mittag bleibt, kommt zusätzlich in den Genuss von billigstem Essen, das in Boxen seit Stunden warmgehalten wurde. Auf diese Weise geht jegliches Gefühl für guten Geschmack, Hunger und Sattheit verloren. Kleinkinder wissen bald schon nicht mehr, wonach ihr Körper verlangt. Gegessen wird inmitten schmatzender, sabbernder Gleichaltriger. Es gibt eine Menge Kinder, die so nicht essen wollen oder können. Kommt es zu Essstörungen, wagt selten ein Therapeut den Blick auf die Essenssituation im Kindergarten.

Kindergärten verlangen teilweise sehr viel von ihren Schützlingen. Geboten wird allerdings nicht ganz so viel. Für hochwertige Förderung ist bei zwanzig Kindern kaum Zeit. Es geht um ein Mindestmaß an hygienischen Standards, Streitschlichtung und Sicherheit, für mehr fehlt in den meisten Fällen die Zeit. Was sich der Kindergarten gerne öffentlich auf die Fahnen schreibt, ist die Sprachentwicklung. Für Kinder, die die Landessprache nicht sprechen oder zuhause wenige Gesprächspartner finden, gilt das tatsächlich. Wer allerdings schon gut spricht, nimmt plötzlich Sprachfehler oder Fallfehler an, weil die Umgebung der Gleichaltrigen sie macht. Auch das Schimpfwortrepertoire baut sich beim Eintritt in den Kindergarten fast immer aus und das zum Leidwesen der Eltern. Das Kind ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Man sollte aber nicht vergessen, dass das für einige Kinder einen massiven Rückschritt bedeutet. Studien, die Sprachförderung bestätigen, messen meist vor dem Kindergarteneintritt und ein Jahr danach. Kinder ohne vorherige Sprachkenntnisse vervielfachen ihren Wortschatz, obwohl er unter dem Durchschnitt bleibt. Kinder mit guten sprachlichen Fähigkeiten verschlechtern sich leicht oder verbessern sich kaum und nicht über normale Entwicklungseffekte hinaus. Im Durchschnitt ist der Zuwachs gut, allerdings nur statistisch. Notwendig wäre der Vergleich zu kindergartenfreien Kindern mit normaler Sprachentwicklung. Doch dieser wird nicht angestellt. Das Ergebnis würde nicht ins Programm passen und dem Weg der EU Hindernisse in den Weg legen.

Ähnlich sieht es im Bereich der Normen aus. Wertevermittlung findet im deutschsprachigen Raum traditionell in der Familie statt. Verbringt ein Kind dort aber nur noch wenig wache Zeit, verschiebt sie sich in die Einrichtung. Das ist manchmal gewollt, manchmal aber gar nicht. Welches Verhalten ist gefragt, welche Berufe sind erstrebenswert, wie steht man zum Thema Impfung, Religion, was denkt man über Tod und Jenseits? Ein Kind übernimmt diese Werte von jenen Menschen, mit denen es die meiste Zeit verbringt. In vielen Fällen ist diese Person heute die Elementarpädagogin. Eltern sind traurig oder wütend, wenn das Kinder der Betreuerin oder dem Betreuer nacheifert und verstehen nicht, dass das Kind gar nicht anders kann. In einigen Fällen wird der Kindergarten dadurch zum schützenden Hafen, denn auch Kriminelle, Drogensüchtige und Menschen mit sehr ungesunden Wertesystemen haben Kinder. Dann bekommt das Kind eine Alternative, eine Pause vom Alltag und eine zweite Umgebung, die bessere Optionen aufzeigt. Kinder mit sehr hohen Werten, guten Manieren und einem dahingehend sehr bereichernden Umfeld, können allerdings im Kindergarten sehr früh hart aufschlagen beim Kontakt mit Gleichaltrigen aus völlig anderen Familiensystemen. Früher oder später lässt sich das im Leben nicht vermeiden, später ist jedoch besser, denn dann ist das eigene Wertesystem ausgereift und stabiler. Das Kind vergleicht dann mit seinen eigenen Werten und erkennt Unterschiede, es wirft jedoch seine Einstellungen nicht sofort über Bord, weil es mehr Spaß macht Käfer zu zertreten oder mit dem Bleistift Zigarette zu spielen. Kindergruppen haben zum Ziel, verschiedene Kinder einander näher zu bringen. Eltern dürfen jedoch gut überlegen, wann dafür der richtige Zeitpunkt gekommen ist.

Wie sinnvoll die Betreuung außer Haus ist, hängt maßgeblich davon ab, wie hochwertig Förderung dort betrieben wird. Ganz gleich wie gut diese ist, braucht es trotzdem immer den direkten Vergleich zu dem, was dem Kind im familiären Umfeld geboten wird. Gibt es dort Sprachförderung, musikalische Früherziehung mit anderen Kindern, Kunstkurse, ein Bastelzimmer im Keller, eine Mama mit Gitarre, Ausflüge in Museen, Exkursionen zum Roten Kreuz, zum Imker oder Bauernhof, ist rasch klar, dass der Kindergarten wahrscheinlich die schlechtere Wahl wäre. Auch sensorisch, feinmotorisch und kreativ fördern sehr viele Familien zuhause mittlerweile besser als jeder Kindergarten es könnte. Alltagstätigkeiten werden erlernt, soziales Miteinander und das Kind kann in genau jener Umgebung ankommen, wachsen und lernen, die maximalen Erfolg garantiert.

Das gilt natürlich nur für Kinder aus intakten Familien, die ihre Aufgabe ernstnehmen, das Kind sorgsam und hochwertig ins Leben zu begleiten. Kinder aus schwierigen Verhältnissen, ohne sicheres und förderliches Zuhause profitieren hingegen immer von Förderung im Kindergarten, sobald sie besser ist als das häusliche Umfeld. Nun ist ein solches Zuhause glücklicherweise nicht die Norm. Deshalb sollten Eltern, die ihrem Kind viel bieten, kritisch prüfen, welche Förderung ein spezieller Kindergarten bietet und wie gut sie wirklich ist, im direkten Vergleich mit dem, was daheim geboten wird.

Kommt die Frage auf, ob Kindergarten gut oder schlecht ist, sollte man auf jeden Fall die Gegenfrage stellen: „Für wen?“ Staatliche Interessen, die von Arbeitgebern, Eltern und Kindern passen nicht zusammen. Das macht es so unendlich schwierig, dringend notwendige Reformen durchzuführen. Scheinbar keine Maßnahme eignet sich, alle Lager glücklich zu machen und so gibt es keine Veränderungen. Klarer Vorteil ist, dass wir in einer Demokratie leben, die ihren Bürgern viele Freiheiten gewährt und genau sie ist meiner Meinung nach der Ausweg aus der Misere und der Schlüssel zum Erfolg. Es kann keine Kita und keinen Kindergarten für alle geben, genau wie es keine Schule und keinen Arbeitsplatz für alle geben kann. So ungern die Politik des Landes es sieht, so sehr ist doch jeder Mensch ein Unikat. Je jünger Kinder sind, desto mehr spricht man ihnen diese Individualität ab. Dass Kinder gleich oder auch nur ähnlich wären, ist allerdings ein großer Irrtum, auf dessen Grundlage noch immer viele Fehler geschehen. Menschen jeden Alters und auch die ganz jungen bringen ihre Persönlichkeiten, ihre Charakterzüge, ihre Begabungen, Stärken und auch Schwächen mit ins Leben. Sie haben besondere Bedürfnisse aber auch Fähigkeiten. Ihnen gerecht zu werden, kann nur über individuelle Betreuungs- und Bildungsangebote gelingen. Was gut für ein Kind ist, kann für ein anderes schlecht sein und was einem nützt, schadet dem anderen. Ein Dreijähriger ohne Deutschkenntnisse, der noch nie in einem Wald war, keine Kinderkurse besucht hat und kaum Gleichaltrige trifft, braucht etwas anderes, um sich gut zu entwickeln als eine Dreijährige, die mit ihren Geschwistern von ihrer pädagogisch geschulten Mutter im Haus mit Garten gefördert wird, Spielgruppen besucht und regelmäßig mit der Familie verreist, damit die Kinder die Welt kennenlernen. Was das Bildungssystem leider zunehmend fordert und fördert ist Gleichheit, dass nämlich diese beiden Kinder in den gleichen Kindergarten gehen und danach zusammen in die Schule. So sollen Kinder gleich gemacht werden und profitieren. Auf diese Weise können aber beide ihr Potenzial nicht entfalten, weil ein Kind zu kurz kommt und eines keine adäquate Förderung erhält. Gut ist das nur für den, der die Betreuung bezahlt, denn alle in einem Topf sind natürlich billiger als individuelle Begleitung. In Wirklichkeit ist das aber ein Verbrechen an beiden Kindern, denn die Dreijährige ist unterfordert und der Dreijährige überfordert. Gerechtigkeit sähe anders aus, dann könnte jeder die Betreuung bekommen, die gebraucht wird, die bestmöglich funktioniert und dem einzigartigen Kind gerecht wird. Das wird in einem Fall ein öffentlicher Kindergarten sein, im anderen ein Privatkindergarten, eine Tagesmutter oder auch die Betreuung im familiären Umfeld. Diese unterschiedlichen Rahmen, junge Menschen ins Leben zu begleiten, sollten nicht in Konkurrenz zueinander stehen, sondern in guter Qualität als gleichwertige Varianten anerkannt werden, die zu mehr Gerechtigkeit für Kinder führen und nicht zu mehr Gleichheit. Während Förderung maßgeschneidert für alle besser funktioniert, kann Freizeit, Spiel und Sport bunt gemischt stattfinden. Es gibt genügend Begegnungsorte für Kinder, wenn das Kennenlernen gefördert werden soll. Dieser Ort muss nicht zwangsläufig der Kindergarten sein. Über diese vielen Stunden der Vormittagsbetreuung hinweg braucht es aber echte, hochwertige Förderung möglichst maßgeschneidert, sonst geht viel Potenzial verloren und das sollte sich eine Gesellschaft nicht leisten.

Kinder zwischen ein und fünf Jahren brauchen Sicherheit, Geborgenheit, Nähe, Verbundenheit, körperliche und psychische Unversehrtheit und Trost. Die Entwicklungsaufgaben dieser frühen Jahre sind gewaltig: Sprachentwicklung, Sauberkeit, Motorik, Sozialverhalten bis hin zu Vorschulfertigkeiten. Nie wieder verändert sich das Leben so schnell so sehr. Diese Jahre sind für die Jüngsten der Gesellschaft eine emotionale Achterbahnfahrt, auf der sie gute Begleitung verdient haben. Welche das ist, kann in einem freien Land nur den Eltern überlassen werden, die das Kind lieben und nach bestem Wissen und Gewissen begleiten. Wenn Mütter und Väter das aus verschiedenen Gründen nicht können, soll es natürlich Unterstützung dabei geben. In der Regel leisten heute Eltern für ihre Kinder aber fantastische Arbeit. Sie bieten eine Menge, sind gut informiert und mit viel Herzblut bei der Sache. Sie wissen, wann sie bereit sind für den Schritt aus der Familie und sie gehen ihn zum richtigen Zeitpunkt, wenn sie die freie Wahl haben. Dafür braucht es die Geduld des Umfeldes und die Hochwertigkeit jeder Betreuungs- und Bildungsvariante. Ihre Vielfalt und Qualität sichert den guten Start der nächsten Generation ins Leben ab. Es geht dabei um unser aller Zukunft. Das scheint beim Anblick von Dreijährigen öfter in Vergessenheit zu geraten. Doch sie halten in ihren noch kleinen Händen, was aus unserer Erde einmal werden wird. Sie werden die Geschicke jener Welt lenken, in der wir alle alt sein werden. Man kann gar nicht genug investieren in diese jungen Menschen.

Allen Müttern der jetzigen Elterngeneration kann ich deshalb nur mit auf den Weg geben, dass niemand das Recht hat, über den richtigen Weg für alle Kinder zu entscheiden. Mütter und Väter tragen die Verantwortung für die frühen und wichtigen Entscheidungen im Leben ihrer Kinder. Hören sie auf ihr Bauchgefühl, werden sie den richtigen Weg finden, für jedes Kind auf eine andere Weise, auf seine Weise.

Wir schreiben das Jahr 2025 und die Generation junger Mütter hat die Wahl zwischen Tradwife-Bewegungen, die das weibliche Rollenbild der 50er feiern, zwischen Emanzipation, Karrieremöglichkeiten wie nie zuvor, wenn auch noch immer nicht gerecht. Mütter haben die Wahl und wählen weise. Familien gehen freie und individuelle Wege, sprengen Schranken, die die Generationen davor aufgebaut haben und definieren sich neu als Mutter und Vater. Auf Seiten der Kinder weiß man nicht genau, auf welche Zukunft man sie vorbereitet. Die Möglichkeiten sind beängstigend unbegrenzt. Gleichzeitig durften Kinder noch nie so sehr sie selbst bleiben und mussten sich so wenig verbiegen auf ihrem Weg ins Leben. Man hat die Wahl. Jede Zeit hat wohl ihre Her- ausforderungen und das ist wahrscheinlich die der jungen Eltern, die jetzt gerade ihre Kinder genießen dürfen, stolz auf sie sind, sie stärken und beschützen, damit sie einmal unsere Welt gut in ihren Händen halten können.

Von der Politik, den Entscheidungsträgern, den Lenkern und Zukunftsschmieden in den höchsten Positionen kann man sich nur erhoffen, dass sie auf gute Eltern vertrauen, hilfebedürftige Eltern unterstützen und alles tun, um die Vielfalt am Betreuungssektor zu erhalten mit allen Varianten, die Mütter und Väter nutzen wollen, um gut zu sein in ihrer wichtigen Aufgabe, die nächste Generation ins Leben zu begleiten.

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