Bericht von unserer Jahreshauptversammlung 2017 (Fh3/2017)

Es waren die „üblichen Verdächtigen“, die sich in überschaubarer Anzahl, aber in lebhafter Wiedersehensfreude am 1. Juli 2017 zur Jahreshauptversammlung unseres Verbandes in Stuttgart trafen. Nach dem ersten Austausch von Informationen, Zeitungsausschnitten, mitgebrachten Büchern: „Musst du unbedingt lesen!“, begrüßte Gertrud Martin die Anwesenden sehr herzlich. Es wurde die korrekte Einladung festgestellt und die Beschlussfähigkeit. Dankbar und einstimmig wurde auch die Meldung von Ute Steinheber zur Protokollführerin bestätigt.

Es folgten die satzungsgemäß fälligen Tätigkeitsberichte der Vorstandsmitglieder, vor allem auch der Schatzmeisterin und der Kassenprüferinnen.

Die Arbeit der Vorstandsmitglieder ist gekennzeichnet durch bestmögliche Kontinuität im Sinne von Am-Ball-Bleiben. „Unsere Antennen sind dauernd ausgefahren, um zu hören, wo wir einhaken müssen“, so die Vorsitzende. „Vor allem im derzeit laufenden Wahlkampf bringen wir uns ein durch Briefe an Politiker und Kandidaten und Stellungnahmen in der Presse. (Abdruck z. B. in der Fh 2/2017)“ Die enge und sehr harmonische Zusammenarbeit innerhalb des Vorstandsteams sei eine große Freude und stetige Quelle neuer Motivation. Die Beisitzerinnen berichteten über ihre Einsätze als Vertreterinnen unseres Verbandes in verschiedenen familienpolitischen Gremien bzw. Verbänden, mit denen wir vernetzt sind, oder über ihre Versuche, bei ihnen nahestehenden Parteien Gehör zu finden für unsere Ziele.

Anschließend wurde der gesamte Vorstand einstimmig entlastet und der Weg freigemacht für die Neuwahlen. Darüber wurde in der Fh 2/2017 schon berichtet. Noch einmal begrüße ich an dieser Stelle Sabine Mänken und Jenniffer Ehry-Gissel herzlich in unserer Vorstandsrunde. Als „nächste Generation“ sind sie für uns eine besondere Bereicherung im Hinblick auf den Umgang mit den modernen Kommunikationsmedien. So sei hier z. B. hingewiesen auf Jenniffers persönlich betriebenen Blog www.berufungmami.de, auf dem vor Kurzem ein sehr lesenswertes Interview mit Sabine eingestellt wurde.

Ein weiterer wichtiger Tagesordnungspunkt war eine Satzungsänderung in zwei Punkten: Unter § 3 wurde ein Halbsatz eingefügt, der besagt, dass es zulässig sei, für die satzungsmäßigen ehrenamtlichen Tätigkeiten eine angemessene pauschale Vergütung zu zahlen. Unter § 13.1 wurde die Frist zur Einberufung einer zu wiederholenden Jahreshauptversammlung zwecks Vereinsauflösung von zwei auf sechs Monate verlängert. Diese Satzungsänderungen wurden nach kurzer, klärender Debatte einstimmig beschlossen.

Unter dem TOP Verschiedenes

  • wurde gebeten, die Jahreshauptversammlungen künftig früher im Jahr zu terminieren.
  • Eine Teilnehmerin berichtete von ihrem Besuch des evang. Kirchentags in Berlin, wo die familienpolitischen Themen irgendwo „in der Pampa“ verhandelt worden seien. Daran schloss sich die Frage, ob der Verband sich 2019 beim Kirchentag in Dortmund beteiligen solle. Dieses scheint angesichts unseres Personalmangels kaum machbar.
  • Eine anwesende Mutter von sechs studierenden Kindern zitierte aus dem Werbetext von PLAN international für Patenschaften in der 3. Welt: die Waffe der Frau sei Bildung, denn wer wolle schon „Wasserträgerin, Sklavin oder Mutter von sechs Kindern sein?“ Auf unseren Protest hin gab es inwischen zwar keine Antwort, aber einen neuen Flyer ohne diese Passage!
  • Eine andere Teilnehmerin wünschte sich mehr positive Darstellung der Mutterschaft in unserer Verbandszeitung, unter Betonung der Wahlfreiheit, der sozialen Gerechtigkeit und der Wertschöpfung durch Kinder.
  • Hingewiesen wurde auch auf einen Kandidatomaten, den das Institut für politische Bildung der Uni Freiburg aufgestellt hat, anlässlich der anstehenden Bundestagswahl.
  • Zur Sprache kam außerdem „das Unglück des Wechselmodells“ bei Scheidungen, das besonders von Vaterverbänden unterstützt werde, um Unterhaltszahlungen einzusparen: „Ein Erziehungsgehalt würde die Lage entschieden entspannen!“
  • Zuletzt wurde darauf hingewiesen, dass „die Ehe für Alle“ automatisch die Fremdadoption für gleichgeschechtliche Partnerschaften nach sich ziehen werde.

Einführungsrede Sabine Mänken

Sehr geehrte Anwesende! Liebe Gertrud! An dieser Stelle möchte ich als allererstes Deiner unermüdlichen Arbeit danken, ohne die dieser Verband nicht mehr bestehen würde. Es ist mir wirklich eine Ehre und Freude, heute hier stehen zu dürfen.

Denn mit der Wahl zur zweiten Vorsitzenden schließt sich auch für mich persönlich ein Bogen, der vor 21 Jahren begonnen hat mit der Geburt meiner Tochter. Ja, sie hat heute ihren 21. Geburtstag und ist meine „mittlere“ von dreien… mit ihr habe ich das MutterSein als bewusste Aufgabe ergriffen.

Und genau darum geht es ja, wenn ich heute mit dieser Wahl meine Arbeit für den Verband Familienarbeit zur Verfügung stellen möchte: Wenn Kinder zu uns kommen, dann gehen wir eine Verbindung und eine Verbindlichkeit ein. Aus den alten Rollenbildern heraus gedacht, war es – je weiter wir zurückgehen – überhaupt keine Frage, wie diese Aufgabe auszusehen hat.

Heute haben wir Freiheit in der Gestaltung. Die Errungenschaften der Emanzipation haben den Frauen nun weitgehend die Selbstverwirklichung im Beruf ermöglicht. Diese Freiheit darf nicht in Frage gestellt werden. Doch wenn es eine Freiheit bleiben soll, dann wird es offensichtlich immer notwendiger, darüber zu reden, dass Frauen sich von dieser neuen Freiheit nicht beschränken lassen…. Ein Paradoxon?! Ja, wir stehen mittendrin. Denn ihre eigentliche Herausforderung hat die Emanzipation noch zu bewältigen: Den Frieden mit der Mutterschaft. Wir Frauen sind doch erst dann von rollenbezogenen und politischen Erwartungen wirklich frei und gleichberechtigt, wenn wir uns aus unseren eigenen tiefen Beweggründen auch ganz bewusst für die Mutterschaft entscheiden können! Und das auch ohne finanzielle Benachteiligung! Insofern hat meine Arbeit in diesem Verband einen feministischen Aspekt.

Wenn wir Wahlfreiheit aber gleichzeitig als den wesentlichen Eckpfeiler einer Demokratie nicht vergessen wollen, dann ist diese Arbeit hier vor allem auch politisch – in einer Zeit, in der durch die Macht der Medien den Menschen ihre Lebensentwürfe vorgeschrieben werden.

Und nicht zuletzt hat sie eine wichtige ökonomische Ausrichtung. Denn wir Anwesenden hier wissen alle, dass die häusliche Erziehungs- und Familienarbeit mit ihren unbezahlten Fürsorgeaufgaben für die gesamte Ökonomie noch immer im Schatten des Erwerbsarbeitsmarktes steht und damit eine monetäre horizontale Umverteilung verursacht, die unsere Gesellschaft immer weiter polarisiert. Diese Spaltung der Gesellschaft birgt enormen sozialen, aber auch gesundheitlichen Sprengstoff.

Ich bin stolz auf unseren Verband, dass er im Vergleich zu anderen Familienverbänden die Ursachen dieser Umverteilung mit der Aufkündigung des Generationenvertrages eindeutig benennt und die Konsequenzen – den monetären Ausgleich mit dem Erziehungsgehalt und der Elternrente – einfordert, so wie es in unserem Zwei-Säulen-Modell für leistungsgerechte Jugend- und Alterssicherung niedergelegt ist.

An dieser Stelle möchte ich mich gerne bei Johannes Resch bedanken, dem zweiten Standbein dieses Vereins, der unermüdlich auf diese Zusammenhänge aufmerksam macht.

Nun schließt sich der Kreis, wenn wir uns klar machen, dass das ökonomisch gerechtfertigte und notwendige Erziehungsgehalt Eltern einen ganz anderen Freiraum ermöglicht, ihre Kinder bewusst zu begleiten und sich nicht von dem organisatorischen und zeitlichen Wahnsinn der Vereinbarkeitslüge zermürben zu lassen. Insofern ist meine Arbeit in diesem Verband auch eine pädagogische.

Wir sind uns heute noch immer viel zu wenig bewusst, was es heißt, den Umraum für ein Kind zu gestalten und vor allem selbst Umraum für das Kind zu sein. Das Erziehungsgehalt schafft den Raum dafür, dass das gesamte soziale Lernen von Kindern und Eltern sich zu einem achtsamen und schöpferischen Miteinander entwickeln kann. Damit unterstützt es die Emanzipation der Mutterschaft von ihrer rollenbezogenen funktionalistischen Aufgabe zu einer in Freiheit gewählten Arbeit, die Beziehung und Fürsorge für das Kind ermöglicht…. Resilienzqualitäten, die mit Blick auf die kommenden gesellschaftlichen Herausforderungen wichtiges Humankapital darstellen.

Wir arbeiten also als Verband an einem kulturschaffenden Mutter- und Elternbild. Das ist die einzige Zukunft, in der eine ernst zu nehmende Verbindlichkeit gegenüber den Kindern auch gelebt werden kann. Für uns Frauen bedeutet das einen weiteren Paradigmenwechsel zu einer selbst gewählten (wahren) Selbstverwirklichung, die berufliche und familiäre Aspekte vor dem Hintergrund der eigenen biographischen Erfahrung frei integrieren kann.

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