Bertelsmann: Kinder- und Altersarmut steigt

In einer neuen umfangreichen Studie im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung (1) wird eine Zunahme der Rentner/innen in Grundsicherung von jetzt etwa 5 Prozent auf 7 Prozent bis zum Jahr 2036 beschrieben. Einer Bertelsmann-Studie vom vergangenen Jahr (2) ist zu entnehmen, dass der Anteil der Kinder in Familien mit Hartz-IV-Bezug 14,7 Prozent beträgt – mit steigender Tendenz. Die Kinderarmut ist also heute bereits weit höher als die zu erwartende Altersarmut.

Der stellvertretende Vorsitzende des Verbandes Familienarbeit, Dr. Johannes Resch, äußert sich dazu: „Die zunehmende Altersarmut ist Wahlkampfthema. Die bereits heute viel gravierendere Kinder- und Elternarmut wird dagegen kaum thematisiert. Die Wählermacht der Rentner ist eben größer als die der jungen Familien, denn Kinder zählen nicht. Dabei ist die wachsende Altersarmut vor allem Folge des ‚Nachhaltigkeitsfaktors‘ in der Rentenformel, der die weniger werdenden Beitragszahler berücksichtigt. Hier offenbaren sich die Konstruktionsfehler unseres Rentenrechts, die in der Diskussion aber von allen Bundestagsparteien verdrängt werden.

Spätestens mit der Rentenreform 1957 wurde den Eltern und besonders den Müttern die Gegenleistung für ihre Erziehungsarbeit entzogen. Während Kinder zuvor ihre eigenen Eltern im Alter versorgten, müssen sie seitdem bevorzugt für kinderlose Alte sorgen, da die Renten an Erwerbsarbeit gebunden wurden, obwohl sie allein von den erwachsen gewordenen Kindern bezahlt werden müssen. Seitdem wird Erwerbsarbeit doppelt bezahlt (durch Lohn und Rente), die elterliche Erziehungsarbeit dagegen (fast) gar nicht mehr (weder Lohn noch Rente). Diese jahrzehntelange elternfeindliche Politik hat Familien trotz reicher werdender Gesellschaft immer ärmer gemacht und ihre Lebensfähigkeit weitgehend zerstört. Sie überfordert gerade gerade die Mütter und macht sie immer häufiger krank. Diese Politik untergräbt auch die Leistungsfähigkeit unseres Sozialsystems. Die Altersarmut ist eine Folge der Kinderarmut.

Eine verantwortbare Lösung kann nicht in einer schuldenfinanzierten Rentenerhöhung bestehen, die dann wieder zulasten der Kinder ginge, sondern nur darin, dass kinderlose und kinderarme (nur mit einem Kind) Erwerbstätige das bei der Kindererziehung eingesparte Geld zur eigenen Alterssicherung einsetzen. Dazu hat der Verband Familienarbeit ein entsprechendes Konzept vorgelegt (3).“

Fußnoten:
(1) „Entwicklung der Altersarmut bis 2036. Trends, Risikogruppen und Politikszenarien“; DIW 2017, Tab. 12
(2) „Kinderarmut in Deutschland wächst weiter – mit Folgen fürs ganze Leben“; Studie der Bertelsmann-Stiftung 2016
(3) „Leistungsgerechtes Rentenkonzept statt Kollaps“, Verband Familienarbeit e.V., Familienarbeit heute 4/2016; S. 5-8

Pressestelle Verband Familienarbeit e.V.
5. Juli 2017

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