Tagungsbericht: Deutscher Genderkongress (Fh 2016/1)

von Johannes Resch

Auf Initiative des Forums Soziale Inklusion e.V. und unter Mitwirkung von MANNdat e.V. und Väter-Netzwerk e.V. fand am 28. November 2015 in Nürnberg ein eintägiger „Deutscher Genderkongress‘‘, statt. Der Kongress trug die Unterschrift: „Gender reloaded – Chancengleichheit für Männer und Frauen in allen Lebensbereichen.“

Schon im Vorfeld gab es Zoff mit linksgerichteten Gruppen, die durch ihren Protest erreichten, dass der ursprünglich angemietete Saal nicht mehr verfügbar war und der neue Tagungsort erst am Vorabend festgelegt werden konnte. Trotzdem tauchte zu Beginn der Veranstaltung eine protestierende Frauengruppe auf, deren jugendliche Mitglieder von den Veranstaltern zur Teilnahme unter Akkreditierung eingeladen wurden, dies aber ablehnten. Einer der Verantwortlichen schreibt dazu in seiner Nachbetrachtung: „Die Veranstaltung war in einem unglaublichen Maße bedroht: Von ‚feministischer Seite‘ (warum eigentlich?), von einer ‚interventionistischen Linken‘ (warum eigentlich?), von Gleichstellungs- und Frauenverbänden (aus welchen Gründen?) und aus einer ganz hohen Politik gesteuert (das überraschte uns sehr)“.

Eingeladen waren „Frauen- als auch Männerverbände, die Politik, Medien, Justiz und das Bildungswesen. Grundlage des Diskurses sollten gegenseitige Wertschätzung sein und ein paritätisches, partnerschaftliches Verständnis von Mann und Frau.“ Allerdings war im Ausschreibungstext mit der Feststellung: „ Wo Gender draufsteht, ist Frauenpolitik drin“ eine kritische Ausrichtung der Themenauswahl markiert.

Einige Politiker- und Redner/innen, die ihre Teilnahme bzw. Grußworte schon seit langem zugesagt hatten, zogen diese Zusage teilweise ganz kurzfristig zurück, möglicherweise unter Druck. So konnte der Tagungsablauf nicht so eingehalten werden wie geplant.

Nach den Eröffnungsworten von Dr. Andreas Kraußer folgten Grußworte von Alexander Christ (CSU-Stadtrat in Nürnberg), Cornelia Spachtholz (Begründerin des Equal Pension Day), Daniel Föst (Generalsekretär der FDP Bayern), Arne Gericke MdEP (Familienpartei) und Kurt-Jürgen Bär (Die Linke, Nürnberg).

In seinem Einführungsvortrag „Ganzheitliche Geschlechterpolitik“ kritisierte Gerd Riedmeier, 1. Vorsitzender des Forums Soziale Inklusion e.V. (www.forum-social-inclusion.eu) die herrschende Schieflage in der bundesdeutschen Geschlechter- und Familienpolitik. So forderte er eine Neuausrichtung der Politik des Bundesfamilienministeriums unter einer neuen inklusiven Benennung (für Frauen und Männer) ein. Die Ratifizierung des 7. Zusatzprotokolls der Europäischen Menschenrechtskonvention durch die BRD sei seit langem überfällig, ebenso die Erstellung eines wissenschaftlichen Berichts zu den Lebenswirklichkeiten von getrennt lebenden Vätern in Deutschland. Riedmeier ermunterte die Teilnehmer dazu, sich „politischer“ zu zeigen.

Sowohl noch am Vormittag als auch nach der Mittagspause folgte die Arbeit in Gruppen zu zahlreichen Themen wie zum Beispiel „Gendersensible Bildung und Erziehung“, „Familiäre Gewalt“, „Ist geschlechterneutrale Sprache möglich?“, „Zukünftige Geschlechterpolitik – Gleichstellungsbeauftragte auch für Männer?“

Ein deutlicher Schwerpunkt lag auf Themen, die in Scheidung lebende Eltern interessierten: „Eltern-Kind-Entfremdung“, „Jugendamt – wer entscheidet über das Kindeswohl?“, „Unterhalt“, „Umgangsverweigerung“.

Das zentrale Familienpolitische Thema „Doppelresidenzmodell“ wurde von Jan Piet de Man vom Internationalen Institut für das Kindeswohl, Belgien, vorgestellt.

Die „Lohnlücke“, den sogenannten Gender Pay Gap und seine Aussagegrenzen präsentierte Martin Beck vom Statistischen Bundesamt in Wiesbaden.

Für uns vom Verband Familienarbeit e.V. bot der Kongress neue Vernetzungsmöglichkeiten. Unser Infotisch wurde gut angenommen.

Zitat Riedmeier: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass es in 100 Jahren noch eine reine Frauenpolitik wie aktuell erlebbar geben wird. Der alleinige Blick auf die Bedürfnisse von Frauen – das wird sich in ein paar Jahren überlebt haben.“ Er plädierte für einen inklusiven Ansatz: „Wir haben Töchter, wir haben Söhne – und die Verantwortung für ihrer beider Zukunft.“

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